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Shimano Dura-Ace R9300: die künftige 13-fach-Gruppe bei der Vuelta gesichtet

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Es musste ja so kommen. Fünf Jahre nach der Einführung des Dura-Ace R9200 scheint Shimano die Ablösung seiner Top-Rennrad-Gruppe vorzubereiten.

Diesmal geht es nicht mehr nur um Patente oder Gerüchte. Mehrere Komponenten einer neuen Dura-Ace-Generation wurden bei der Vuelta 2026 gesichtet, montiert an Rädern des Teams Alpecin-Premier Tech.

Cyclingnews konnte das Material in der Nähe des Team-Busses vor dem Start der ersten Etappe fotografieren, während auch Escape Collective bestätigt, diese neue Generation beobachtet zu haben. Beide Medien sind sich bei mehreren großen Neuerungen einig: 13-fach, neue Schalt-/Bremshebel, neues Schaltwerk … aber weiterhin eine semi-kabellose Architektur.

Offiziell bestätigt hat Shimano natürlich noch nichts. Nehmen wir diese Informationen also als das, was sie sind: die Beobachtung einer Gruppe, die sich vermutlich noch in der Entwicklungsphase befindet.

Doch die Fotos verraten bereits viel.

Shimano würde endlich auf 13-fach umstellen

Das ist natürlich die Neuerung, die sofort ins Auge fällt.

Zählt man die Ritzel der verbauten Kassette, kommt man tatsächlich auf 13-fach.

Der Schritt war fast unvermeidlich. Campagnolo bietet inzwischen 13-fach bei seinen Gruppen Record und Super Record an, SRAM nutzt diese Architektur bereits bei seinen XPLR-Antrieben, und Shimano selbst hat den Schritt zuletzt bei einigen MTB-Antrieben vollzogen.

Die aktuelle Dura-Ace R9200, vorgestellt 2021, ging von 11- auf 12-fach. Der Nachfolger würde fünf Jahre später also erneut ein Ritzel hinzufügen. Gleichzeitig ist Campagnolo mit dem Record 13 wieder ins Spiel zurückgekehrt, was den Schritt von Shimano umso erwarteter macht.

Offen bleibt die Abstufung.

Auf den Fotos lässt sich die Zähnezahl des kleinsten Ritzels nicht eindeutig erkennen. Shimano könnte bei 11 Zähnen bleiben oder – wie SRAM – auf 10 Zähne gehen.

Noch spannender: Laut Cyclingnews und den kursierenden Informationen zu diesem Prototyp könnte diese 13-fach-Kassette einen neuen Freilaufkörper-Standard erfordern, abweichend vom klassischen Shimano HG.

Bestätigt sich das, wäre die zusätzliche Gangstufe für Nutzer, die ein bestehendes Rad aufrüsten möchten, nicht ganz ohne Folgen.

Und genau das ist wohl einer der interessantesten Punkte, die es bei der offiziellen Vorstellung zu beobachten gilt.

Weiterhin Doppel-Kettenblatt, aber 1x scheint vorgesehen

Eine weitere wichtige Info: der Umwerfer ist nicht verschwunden.

Die bei der Vuelta gesichteten Räder verfügen weiterhin über eine 2x-Schaltung. Die künftige Dura-Ace bliebe also eine Gruppe, die im 2x-Betrieb funktioniert.

Doch die fotografierte Kurbelgarnitur macht neugierig.

Die montierten Kettenblätter wirken anders als die traditionell optisch nahtlos in die Dura-Ace-Kurbel integrierten. Auffällig sind unter anderem Abdeckungen an den Befestigungsschrauben, was sich schlicht durch Entwicklungsbauteile erklären ließe.

Das könnte aber auch auf den Wunsch Shimanos hindeuten, eine modularere Architektur anzubieten.

Und zwangsläufig denkt man an das Einfach-Kettenblatt am Rennrad.

Cyclingnews bringt explizit die Hypothese einer besseren Kompatibilität mit 1x-Konfigurationen ins Spiel. Das wäre angesichts der aktuellen Marktentwicklung durchaus logisch: 1x gewinnt auf der Straße – insbesondere im Wettkampf und bei stark aero-orientierten Rädern – allmählich an Boden.

Von einem ausdrücklich auf 1x ausgelegten Dura-Ace ist man noch weit entfernt. Aber Shimano scheint sich zumindest deutlich mehr Optionen offenzuhalten.

Keine vollständig kabellose Dura-Ace

Das ist vermutlich die größte Überraschung dieser ersten Bilder.

Man hätte sich vorstellen können, dass Shimano diese Generation nutzt, um die elektrischen Kabel komplett abzuschaffen. Das scheint offenkundig nicht der Fall zu sein.

Die Dura-Ace R9300 würde eine dem aktuellen R9200 ähnliche Architektur beibehalten: Die Hebel kommunizieren kabellos mit dem System, aber Vorder- und Hinterradschaltwerk bleiben mit einer zentralen Batterie im Rahmen verbunden.

In der Nähe des Schaltwerks ist bei den beobachteten Rädern klar ein Kabel zu sehen. Escape Collective kommt zum gleichen Schluss und betont, dass die kompakte Bauform des fotografierten Schaltwerks ohnehin wenig Platz lässt, um eine Batterie direkt darin unterzubringen.

Das ist fast paradox.

Shimano hat bei seiner MTB-Gruppe XTR Di2 jüngst eine vollständig kabellose Architektur eingeführt, und die jüngsten Entwicklungen der GRX-Antriebe haben ebenfalls gezeigt, dass die Marke diese Technologie beherrscht. Der Shimano GRX Di2 12V illustriert genau diesen Wechsel hin zu offeneren Architekturen auf der Gravel-Seite.

Für seine hochwertigste Rennrad-Gruppe scheint Shimano dennoch eine große zentrale Batterie zu bevorzugen.

Wahrscheinlich auf dem Datenblatt weniger verführerisch, aber mit einigen Argumenten: lange Akkulaufzeit, kompakte Schaltwerke und keine einzelnen Akkus, die geladen werden müssen.

Für Mechaniker, die Di2-Kabel in vollständig integrierte Rahmen verlegen müssen, lässt die Revolution noch etwas auf sich warten.

Komplett neu gestaltete Schaltwerke

Das Schaltwerk scheint sich deutlich weiterzuentwickeln.

Es wirkt besonders kompakt und nutzt eine neue Befestigung.

Cyclingnews spricht von einem System, das im Prinzip an das von SRAM entwickelte UDH erinnert, auch wenn Shimano selbstverständlich seine eigene Architektur verwendet. Manche Informationen deuten zudem auf eine Verdrehsicherung hin.

Derzeit lässt sich nicht sagen, ob diese Änderung neue Rahmen erfordert oder ob Shimano verschiedene Montageoptionen vorsieht.

Auch Escape Collective stellt die Frage nach der Kompatibilität bestehender Rahmen.

Und zwischen einem möglichen neuen Freilaufkörper und einer neuen Schaltwerksbefestigung verbirgt sich hier vermutlich eine der großen Unbekannten dieser künftigen Gruppe.

Der Schritt von 12- auf 13-fach wird spannend. Wenn die Umrüstung auf R9300 aber zudem einen neuen Freilauf und einen kompatiblen Rahmen erfordert, könnte die Migration von einem Rad mit R9200 schnell deutlich weniger trivial werden.

Die Hebel erhalten eine echte Daumentaste

Die Änderungen beschränken sich nicht auf die Zahl der Ritzel.

Die neuen Hebel zeigen mehrere kleine Formanpassungen, vor allem aber eine zusätzliche Taste an der Innenseite der Griffhaube.

Anders als die teils unter dem Gummi der aktuellen Hauben versteckten Di2-Zusatztasten steht diese klar hervor und scheint dafür gedacht zu sein, direkt mit dem Daumen betätigt zu werden.

Eine kleine LED scheint sogar in der Nähe integriert zu sein.

Das Prinzip erinnert natürlich an die neuen SRAM Red AXS-Bedienelemente. Und das ist wahrscheinlich eine gute Sache.

Mehr verfügbare Funktionen an den Bedienelementen werden mit modernen GPS-Radcomputern besonders interessant: Seitenwechsel, Steuerung des Computers, Bedienung bestimmter elektronischer Funktionen …

Die zusätzliche Taste könnte Shimano zudem erlauben, die Logik des Schaltens weiterzuentwickeln. Welche Funktion sie genau übernimmt, lässt sich derzeit natürlich nicht sagen.

Shimano bleibt dem Aluminium bei der Kurbelgarnitur treu

Ein weiteres aufschlussreiches Detail: Die Kurbelgarnitur besteht augenscheinlich weiterhin aus Aluminium.

Während SRAM und Campagnolo bei ihren Top-Rennradgruppen stark auf Carbon setzen, verteidigt Shimano weiterhin seine Metall-Kurbeltechnologie.

Die Grundsilhouette bleibt der aktuellen Dura-Ace zudem recht ähnlich, auch wenn der Leistungsmesser offenbar neu gestaltet wurde.

Nach den Problemen, die zum groß angelegten Rückruf einiger älterer verklebter Shimano-Kurbeln geführt haben, mag diese Entscheidung überraschen.

Doch Aluminium ist fast so etwas wie die technische Signatur der Dura-Ace-Kurbel. Und anders als bei vielen anderen sichtbaren Neuerungen am Rest der Gruppe sah Shimano offenbar keinen Bedarf, alles grundsätzlich neu aufzusetzen.

Eine offizielle Vorstellung rückt näher

Mehrere Indizien ließen bereits vermuten, dass sich bei Shimano etwas anbahnt.

Prototypen neuer Dura-Ace-Pedale waren bereits im Frühjahr bei Paris-Roubaix gesichtet worden. Ende Juli stellte Shimano dann offiziell seine neue Generation Dura-Ace-Laufräder WH-R9370 vor, unter anderem mit einem neuen Vorderrad C99 und einem hinteren Scheibenrad.

Die Bezeichnung R9370 blieb natürlich nicht unbemerkt, während die aktuelle Gruppe die Referenz R9200 trägt. Wir hatten diese neue Plattform bereits in unserem Beitrag zu den Laufrädern Shimano Dura-Ace WH-R9370 beleuchtet.

Jetzt gibt es Schalthebel, eine Kurbelgarnitur, Schaltwerke und vor allem eine 13-fach-Kassette, die im Rennen fotografiert wurden.

Das Puzzle beginnt sich ernsthaft zusammenzufügen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Marktstart unmittelbar bevorsteht. Aus unserer Sicht deutet vieles eher auf Neuheiten Anfang 2027 hin, wie man an diesem künftigen Gravelbike sehen kann, das voraussichtlich im Januar vorgestellt wird und auf dem die Angabe „GRX 13 vitesses“ steht.

Diese Komponenten können sich bis zum Marktstart also noch ändern.

Unsere Einschätzung

Dieser erste Blick auf die Dura-Ace R9300 spiegelt die Shimano-Philosophie recht gut wider.

Keine spektakuläre Revolution. Keine große Batterie am Schaltwerk nur, um full wireless auf die Schachtel schreiben zu können.

Stattdessen scheint Shimano eine Architektur Schritt für Schritt zu verbessern, die bereits sehr gut funktioniert.

Der Wechsel auf 13-fach war fast zu erwarten. Die zusätzliche Taste an den Hauben wirkt im Alltag sogar noch interessanter.

Die zwei wirklich wichtigen Themen liegen jedoch anderswo.

Erstens die Kompatibilität. Ein neuer Freilaufkörper und eventuell eine neue Schaltwerks-Schnittstelle könnten diese Generation deutlich weniger rückwärtskompatibel machen, als man hoffen würde.

Zweitens das Einfach-Kettenblatt.

Shimano behält offensichtlich das Doppel bei, aber zwischen dieser 13-fach-Kassette, einer offenbar modulareren Kurbelgarnitur und der allgemeinen Marktentwicklung zeichnet sich eine Dura-Ace-Gruppe ab, die deutlich offener für 1x ist.

Auf diesem Stand gibt es nur eine Gewissheit: Die nächste Dura-Ace existiert ganz real – und sie fährt bereits im Profifeld.

Und jetzt, da sie aus dem Shimano-Truck heraus ist, wird es schwierig, sie noch lange zu verstecken.

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