Die vorherige Generation des Canyon Grail hatte das Rad bereits wieder ganz oben im Gravel-Race-Segment positioniert. Es war schnell, gut ausgestattet und klar auf Wettbewerb ausgerichtet. Aber es hatte auch eine leicht auszumachende Grenze: offizielle Reifenfreiheit von 42 mm, in einem Markt, in dem breite Gravel-Reifen längst mehr sind als eine Marotte.
Mit diesem Grail der dritten Generation korrigiert Canyon den Kurs deutlich. Der neue Rahmen akzeptiert nun bis zu 57 mm vorne wie hinten, mit mehr als 4 mm Sicherheitsmarge gemäß der von der Marke angegebenen ISO-Norm. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Information dieser Präsentation.
🚀 Kurz zusammengefasst:
Das Grail der dritten Generation nimmt jetzt Reifen bis 57 mm vorne wie hinten auf
Die Plattform verabschiedet sich vom Doppelkettenblatt, um die Reifenfreiheit zu maximieren
Canyon nennt aerodynamische Zugewinne, gemessen bei 35 km/h mit 45-mm-Reifen
Das ist kein simples Facelift. Canyon überarbeitet Rahmen, Geometrie, Integration, Cockpit, Zubehör und Laufräder. Das Grail bleibt ein Race-Bike, rückt aber zu einer zeitgemäßeren Definition des schnellen Gravel hin: weniger durch die Reifensektion limitiert, stabiler auf ruppigem Untergrund, anpassungsfähiger für Ultradistanzen oder lange Veranstaltungen.
Canyon erklärt, dass die Entwicklung des neuen Grail von einer klaren Anforderung ausging: Fahren mit 50-mm-Reifen und größer zu ermöglichen. Die Marke verweist insbesondere auf den Austausch mit Rosa Klöser, Gewinnerin von Unbound 2024, die ein Rad forderte, das 2.1, 2.2, ja sogar 2.25 Zoll aufnimmt.
Um diese Reifenfreiheit zu erreichen, musste Canyon eine grundlegende Entscheidung treffen: Das neue Grail wird zu einer ausschließlich 1x-Plattform. Das Doppelkettenblatt ist damit raus. Das ist nicht trivial, vor allem für Fahrerinnen und Fahrer, die ihr Gravel als schnelles Allround-Bike für Straße und Schotter mit enger abgestufter Kassette nutzen.
Technisch ist die Wahl nachvollziehbar. Bei Beibehaltung der Doppelkettenblatt-Kompatibilität, so Canyon, wäre die hintere Reifenfreiheit auf 50 mm begrenzt gewesen. Der Wechsel auf 1x ermöglicht also die 57 mm, unter anderem dank einer neuen, durchgehenden rechten Kettenstrebe auf der Antriebsseite, die schlanker ist und Platz schafft.
Alle Grail werden zum Start mit 45-mm-Reifen ausgeliefert. Die maximale Breite ist also nicht die Serienmontage, sondern ein echter Entwicklungsspielraum je nach Terrain, Rennen und gewünschtem Komfortniveau.
Canyon betont auch die Aerodynamik, mit einem interessanten Punkt: Die Tests werden nicht nur bei 45 km/h kommuniziert, wie bei vielen Rennrädern, sondern bei 35 km/h – eine glaubhaftere Geschwindigkeit für Gravel-Race.
Laut den von Canyon bereitgestellten Zahlen weist das Grail der dritten Generation bei 35 km/h mit 45-mm-Reifen 109,5 W Widerstand auf, in seinem Protokoll mit dynamischem Dummy. Im gleichen internen Vergleich nennt Canyon 109,9 W für das Cervélo Áspero 5, 110,3 W für das Factor Ostro Gravel und 112,3 W für das Rose Backroad FF.
Das sind Herstellerdaten. Sie zeigen eine Tendenz, keine absolute Wahrheit. Aber das Protokoll passt besser zum Gravel-Einsatz als manch allzu straßenlastige Aero-Rhetorik.
Der vielleicht aussagekräftigste Punkt liegt woanders: Canyon gibt an, dass das neue Grail auf 55-mm-Reifen schneller ist als das alte Grail auf 40-mm-Reifen – jeweils im 35-km/h-Protokoll. Das alte wird mit 115,7 W angegeben, das neue mit 55 mm mit 113,6 W. Bestätigt sich das im Gelände, ist es genau die Art von Kompromiss, die das moderne Gravel-Race heute sucht: mehr Volumen gewinnen, ohne zu viel Geschwindigkeit zu bezahlen.
Canyon fängt bei der Geometrie nicht bei null an. Die Marke behält die zentrale Idee der vorherigen Generation bei: ein stabiles Rad mit langem Radstand, berechenbarer Lenkung und einer Gewichtsverteilung, die in schnellen, losen Passagen Kontrolle verleiht.
Der neue Radstand wächst um rund 10 mm, hauptsächlich um die 57-mm-Reifen aufzunehmen. In den Größen S bis L behält Canyon einen Lenkwinkel von 71,5° und einen Nachlauf von 69 mm bei – Werte, die bereits mit einem recht stabilen Fahrverhalten für ein Gravel-Race-Bike verbunden sind.
Die echte Veränderung bei der Position kommt vom Stack. Canyon gibt einen um 15 mm abgesenkten Rahmen an, mit weiterhin langem Reach und kurzen Vorbauten. In Größe M liegt der Vorbau bei CFR und CF SLX bei 80 mm. Die Botschaft ist klar: Das Grail wird aggressiver, rennorientierter, weniger neutral in der Sitzposition.
Das heißt nicht, dass es nur Profis vorbehalten ist. Aber wer das Grail für seine Vielseitigkeit mochte, sollte die Geometrie genau anschauen – besonders, wenn eine sehr aufrechte Position gesucht wird.
Die Grail-Versionen CFR und CF SLX übernehmen das Cockpit Canyon CP0048 PACE Bar, bereits bekannt aus der jüngeren Integrationslogik der Marke. Der Hauptvorteil ist nicht nur optisch: Das System erlaubt Breiten- und Höhenanpassung, ohne den Gabelschaft zu kürzen, ohne Spacer-Stapel und ohne Bremsen zu entlüften.
Canyon nennt 50 mm Breitenverstellung, 20 mm Höhenverstellung und 15 mögliche Konfigurationen mit nur einem TX25-Werkzeug. Die neuen Control Drops fügen eine stärker auf Offroad-Kontrolle ausgerichtete Lenkerform hinzu, mit 17° Flare, 120 mm Drop und drei möglichen Breiten: 370, 395 und 420 mm.
Die CF-Versionen bleiben einfacher, mit einem CP0039-Cockpit. Das ist wichtig, denn nicht die gesamte Palette erhält das gleiche Maß an Anpassbarkeit.
Die Sattelstütze Canyon SP0093 VCLS Aero ist dagegen in der gesamten Palette verbaut. Canyon nennt 25 % mehr vertikalen Flex gegenüber einem starren Pendant. Dieses Bauteil stammt aus der Endurace-Familie, einem Rad, bei dem Canyon das Verhältnis von Effizienz und Komfort bereits stark entwickelt hat. Unser Test des Canyon Endurace CF SLX 8 Di2 hilft übrigens, diese typische Canyon-Philosophie zu verstehen: das Rad schnell machen, aber nicht unnötig hart.
Das Grail behält eine echte Ökosystem-Logik. Alle Modelle erhalten die Gear-Groove-Schnittstelle, kompatibel mit Radcomputer-Halterungen, Beleuchtung und Canyon-Aerobars. Das zählt bei Langdistanzen, Ultrarennen oder Veranstaltungen, in denen man seine Position auf schnellen Abschnitten stabilisieren möchte.
Der LOAD-Stauraum im Unterrohr bleibt erhalten, aber nicht bei den Grail CF Modellen. Gleiches gilt für die DEFEND Fast Fenders Schutzbleche: Sie sind für Grail CF SLX und CF vorgesehen, nicht jedoch für das stärker auf Rennen fokussierte Grail CFR.
Canyon kooperiert außerdem mit Cyclite für Taschen, die an den neuen Rahmen angepasst sind. Die Midloader Cyclite x Canyon wird je nach Größe mit rund 100 g angegeben, also etwa 200 g weniger als der Midloader der vorherigen Generation. Sie schmiegt sich eng an das vordere Rahmendreieck und nutzt hinten eine schnelle Druckbefestigung.
Canyon gibt an, dass diese Tasche in seinem Protokoll keinen erkennbaren Aero-Einfluss hat. Auch das muss außerhalb des Labors bestätigt werden, aber die Idee ist gut: Das Gepäck ins Rad integrieren, statt es als nachträglich angehängte Tasche zu behandeln.
Canyon nutzt das Grail auch, um seine Carbon-Laufräder GR 50 CF vorzustellen. Sie besitzen eine 50 mm hohe Felge, 27 mm Innenweite und 38,5 mm Außenbreite. Das angegebene Gewicht beträgt 1 675 g pro Paar, mit Tubeless-Felgenband und Microspline-Freilaufkörper.
Diese Laufräder verwenden DT Swiss 350 Naben und Aerocomp II Speichen. Canyon positioniert sie für Gravel-Reifen von 35 bis 60 mm, was gut zur neuen Ausrichtung des Grail passt.
Sie kommen an zwei Modellen der Palette zum Einsatz: am Grail CF 7 AXS und am Grail CF SLX 7 Di2. Canyon kündigt zudem eine Aftermarket-Verfügbarkeit für 999 € an, inklusive Tubeless-Ventilen und Ersatz-XD-R-Freilaufkörper.
Die Palette gliedert sich in drei Plattformen: Grail CFR, Grail CF SLX und Grail CF. Die Größen reichen von 2XS bis 2XL.
Das Grail CFR AXS wird mit 7,9 kg angegeben, mit SRAM RED XPLR AXS, beidseitigem Quarq-Leistungsmesser, DT Swiss GRC 1100 Laufrädern und Schwalbe G-One RS Pro 45 mm Reifen. Preis: 8 000 €.
Das Grail CFR Di2 kommt mit Shimano GRX Di2 RX825 und einseitigem 4iiii-Leistungsmesser, für 8,4 kg und 6 500 € laut Angabe.
Das Grail CF SLX 8 AXS erhält SRAM Force AXS, einen einseitigen Quarq-Leistungsmesser, DT Swiss GRC 1400 Laufräder und wiegt 8,9 kg. Vorläufiger Preis: 5 499 €.
Das Grail CF SLX 7 Di2 wird mit 9,5 kg angegeben, mit Shimano GRX Di2 RX715 und Canyon GR 50 CF Laufrädern. Vorläufiger Preis: 4 499 €.
Bei den CF-Modellen wird das Grail CF 7 AXS mit 9,1 kg genannt, mit SRAM Rival XPLR AXS E1 und Canyon GR 50 CF Laufrädern, für 3 499 €. Das mechanische Grail CF 7 liegt bei 2 499 €, mit Shimano GRX RX610 und Newmen Advanced G.34 Laufrädern.
Das neue Grail will kein weichgespültes Adventure-Bike werden und auch kein bequemes, nur vage sportliches Allroad. Es bleibt ein Gravel-Race-Bike. Nur scheint Canyon akzeptiert zu haben, dass sich moderne Gravel-Rennen nicht mehr allein mit steifem Rahmen, schmalen Reifen und einer guten Aero-Position gewinnen lassen.
Der große Hebel ist die 57-mm-Reifenfreiheit. Sie bringt das Grail wieder in den richtigen Takt des Marktes, gerade mit Blick auf schnelle, aber ruppige Rennen, bei denen Komfort, Traktion und Gelassenheit mitunter so viel zählen wie ein paar Watt im Windkanal.
Die Grenzen sind bereits erkennbar: ausschließlich 1x-Plattform, kein LOAD-Staufach beim CF und ein PF86-Tretlager, über das manche zwangsläufig diskutieren werden.
Doch das Gesamtbild wirkt sehr stimmig. Canyon hat sich nicht damit begnügt, nur die Reifenfreiheit zu öffnen: Die Marke hat das Rad um diese Idee herum neu gedacht. Genau das war nötig, damit das Grail in einer sich schnell entwickelnden Kategorie glaubwürdig bleibt.
Retrouvez toutes les caractéristiques ainsi que les détails techniques de ce produit.
| Einsatzbereich | Gravel-Race |
|---|---|
| Material | Carbon |
| Elektrische Unterstützung | Nein |
| Geschlecht | Unisex |
| Jahr | 2027 |
| Modell | Canyon Grail CF 7 2027, Canyon Grail CF 7 AXS 2027, Canyon Grail CF SLX 7 Di2 2027, Canyon Grail CF SLX 8 AXS 2027, Canyon Grail CFR AXS 2027, Canyon Grail CFR Di2 2027 |
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