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Test Coros Dura 2 Solar: das Fahrrad-GPS, das mit der Form bricht

Der erste Coros Dura verfolgte eine einfache Idee: einen sehr ausdauernden, nicht zu teuren Fahrradcomputer bauen, der sich leicht bedienen lässt, ohne dass man sich in Menüs verirrt. Die erste Generation bin ich im letzten Jahr gefahren – mit echter Sympathie für die irre Akkulaufzeit, aber auch einigen Vorbehalten gegenüber Software und Touchscreen-Bedienung.

Mit dem Coros Dura 2 Solar begnügt sich die Marke nicht mit einem vorsichtigen Update. Sie schlägt ein neues Kapitel auf. Der Preis steigt, die Materialien ändern sich, das Display wächst, die Bedienung entwickelt sich weiter und das Design geht in eine Richtung, die ich so bei einem Fahrrad-GPS noch nie in der Hand hatte.

Ich konnte dieses Modell vor der offiziellen Veröffentlichung testen – mit einer Firmware, die zwar noch in der finalen Phase war, aber bereits sehr stabil lief. Und das ist vielleicht der interessanteste Punkt: Coros liefert von Beginn an ein ausgereiftes Produkt.

Unser Kurzfazit 👇
GP. – Coros Dura 2 Solar
Coros Dura 2 Solar
⭐️ 4.5/5
„Enorme Akkulaufzeit in einem mutigen Format“
$499

Stärken:

Verbesserungswürdig

Ein Design, das keinem anderen Fahrrad-GPS gleicht

Der erste Kontakt überrascht. Der Dura 2 Solar hat nicht diese quaderförmige, schwarze Anmutung, die man bei den meisten Fahrradcomputern findet. Die Front ist extrem dünn, mit weniger als 6 mm im oberen Bereich, während die Rückseite deutlich dicker wird, um Halterung und Elektronik zu integrieren.

In der Hand erinnert das Gerät fast an ein Klapphandy aus den 2010ern, im Stil des Motorola RAZR. Keine sehr fahrradspezifische Analogie, beschreibt aber das Gefühl gut: eine dünne, straffe Platte – anfangs fast ungewohnt.

Die Konstruktion kombiniert Carbon und eloxiertes Aluminium. Das Ergebnis wirkt wertig, solide, sauber verarbeitet und bleibt dennoch leicht. Auf der Waage liegt der Dura 2 Solar unter 100 g, mit einem Gewicht von 99 g. Für einen Computer mit 3,5-Zoll-Display, Solarmodulen und so aufwendiger Bauweise ist das eine starke Leistung.

Dieses Design hat allerdings eine banale, aber reale Konsequenz: Flach auf dem Tisch liegend steht das GPS nicht stabil. Es kippt leicht. Am Rad ist das kein Drama, aber im Café, in der Werkstatt oder beim Anschließen sollte man ungeschickte Bewegungen vermeiden.

Geladen wird per USB-C, mit sauber integrierter Gummiabdeckung. Nichts Exotisches – umso besser.

In der Box fällt das Fehlen einer Halterung auf

In der gelieferten Konfiguration lag keine GPS-Halterung bei. Coros geht davon aus, dass ein guter Teil der Radfahrenden zuhause bereits eine Garmin-kompatible Halterung hat. In vielen Fällen stimmt das.

Der Dura 2 Solar nutzt eine Aufnahme, die mit Halterungen im Garmin-Stil kompatibel ist, und Coros bietet auch eigene Aluminiumhalterungen an, separat oder im Paket mit dem Radcomputer verkauft. Dennoch bleibt das Fehlen eine kleine Enttäuschung.

Für bereits Ausgestattete ist das nur ein Detail. Für jemanden, der die Disziplin gerade entdeckt oder seinen ersten ernsthaften Fahrrad-GPS kauft, ist es weniger trivial. Selbst Garmin hat sich in seinen Standardpaketen noch nicht wirklich angewöhnt, die Halterung komplett zu streichen.

Ein Wort zur Position der Aufnahme: Die Vierteldreh-Aufnahme sitzt relativ weit unten am GPS. Vorteil: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Computer das Cockpit berührt – selbst an kompakten Cockpits. Nachteil: An meinem Setup blieben etwa fünf Zentimeter zwischen der Unterkante des GPS und dem Lenker. Funktional kein Problem. Optisch weniger integriert.

Ein sehr gut ablesbares MIP-Display - endlich wirklich reaktionsschnell

Das Display ist einer der großen Fortschritte dieser Version. Coros bleibt bei einem 3,5-Zoll-MIP-Panel – eine logische Wahl, um die Akkulaufzeit zu schonen und draußen eine hervorragende Ablesbarkeit zu garantieren. Die Marke nennt eine Auflösung von 336 × 620 Pixeln, ein 17:9-Format, eine entspiegelte Beschichtung und 38 Hz Bildwiederholrate.

In der Praxis ist die Ablesbarkeit exzellent. Ich ertappte mich dabei, mit Helligkeit auf null in voller Sonne zu fahren, ohne mich beim Lesen der Daten oder der Karte anstrengen zu müssen. Genau das erwarte ich von einem Fahrrad-GPS: nicht zwingend ein spektakuläres Standbild, sondern eine Anzeige, die während der Fahrt – mit Brille, Licht und Vibrationen – gut lesbar bleibt.

Die wahre Veränderung kommt vor allem von der Reaktionsgeschwindigkeit. Für ein MIP-Display reagiert der Dura 2 Solar schnell. Deutlich schneller als mein Garmin Edge 1040 Solar bei Kartenaktionen. Verschieben, Wischgesten und Pinch-to-Zoom vermitteln fast Smartphone-Gefühl, auch wenn der Zoom für meinen Geschmack noch etwas limitiert bleibt.

Das verändert die Nutzung. Bei einem GPS mit Kartografie ist Flüssigkeit kein Luxus: Sie entscheidet, ob man sich während der Fahrt traut, die Karte zu bewegen, eine Straße zu prüfen, eine Abzweigung anzuschauen – oder ob man doch bis zum nächsten Stopp wartet.

Moderne Bedienelemente, aber nicht alle überzeugen

Coros hat das Drehrad des ersten Dura aufgegeben. Beim Coros Dura der ersten Generation gehörte dieses Drehrad zu den Dingen, die ich am praktischsten fand – auch wenn der Touchscreen mitunter träge war. Hier ändert die Marke die Logik: Touchscreen, Seitentasten und zwei haptische Tasten unter dem Display.

Diese beiden Tasten mit haptischem Feedback erlauben unter anderem das vertikale Navigieren durch die Datenseiten. Sie funktionieren. Das Feedback ist sauber. Unverzichtbar fand ich sie jedoch nicht.

Mein Problem ist nicht ihre reine Wirksamkeit. Es ist der Platz, den sie im Gesamtdesign des Computers einnehmen. Bei einem so reaktionsschnellen Touchscreen wären mir zwei gut platzierte physische Tasten an der Seite natürlicher erschienen. So habe ich manchmal den Eindruck, dass es diese Tasten vor allem gibt, weil das Design sie integrieren wollte.

Ein langer Druck auf die linke Taste startet die Sprachsteuerung. Und das ist eine wirklich positive Überraschung. Die Funktion ist einfach, schnell und hat in meinem Test zuverlässig funktioniert. Eine Aktion starten, einen Parameter anpassen oder mit dem GPS interagieren zu können, ohne viele Gesten am Display – das ergibt auf dem Rad Sinn.

Coros ergänzt außerdem eine virtuelle Klingel, aktivierbar per Doppeltipp auf dem Display. Das wirkt wie ein Gimmick, kann im Stadtverkehr oder auf gemeinsamen Wegen aber nützlich sein. Der mit 95 dB angegebene Lautsprecher sorgt für eine echte akustische Präsenz, auch wenn die Lautstärke der Klingel per Update noch optimiert werden sollte.

Die Akkulaufzeit bleibt die wichtigste Stärke von Coros

Der Dura 2 Solar bewahrt das, was Coros stark gemacht hat: eine enorme Akkulaufzeit. Die Marke gibt 120 Stunden im vollständigen GPS-Modus an, 70 Stunden in Dualfrequenz, und eine Solarladung, die bei einer Stunde Lichteinwirkung mit 75.000 Lux zwei Stunden Laufzeit hinzufügen kann.

Die Solarmodule sind 17 % größer und 25 % effizienter als bei der ersten Generation. Ich hatte den ersten Dura nicht mehr zur Hand, um einen sauberen Direktvergleich zu machen – daher spiele ich diesen Punkt nicht übermäßig aus.

Auf meinen Ausfahrten, bei eher herbstlichem Wetter, bleibt das Ergebnis sehr überzeugend. Mit aktivierten Sensoren verlor ich etwa 1,5 % Akku pro Stunde. Das ist kein Wert, der vor einem langen Tag Angst macht.

Der erste Dura hatte mit diesem Ausdauer-Versprechen bereits Eindruck hinterlassen, in unserem veröffentlichten Test mit rund 70 bis 80 h intensiver Nutzung gemessen. Der Dura 2 Solar behält diese Basis, bietet aber ein größeres Display, eine schnellere Bedienoberfläche und eine deutlich ambitioniertere Konstruktion. Genau hier wird die Weiterentwicklung interessant: Coros zwingt einen nicht mehr wirklich zur Wahl zwischen Akkulaufzeit und moderner Ausstattung.

Karten, Training, Sensoren: Coros stärkt sein Ökosystem

Die Ersteinrichtung ist klassisch und gut gemacht. Man führt die Kopplung, Updates und die Feineinstellungen über die Coros-App durch. Nichts Ungewohntes, wenn man schon einmal einen modernen Fahrrad-GPS genutzt hat.

Die Kartografie macht klare Fortschritte. Der Dura 2 Solar bietet Routenführung, Turn-by-Turn-Abbiegehinweise, Offline-Neuberechnung über die Coros-App mit heruntergeladenen Karten, Abweichungswarnungen, Points of Interest (POI) und Anstiegswarnungen – auch ohne dass man zwingend einer aufgezeichneten Route folgt.

Der Touch-Zoom macht die Navigation deutlich angenehmer. Beim Zoom-Bereich bleibe ich zurückhaltend – ich hätte mir mehr Spielraum gewünscht. Für das Fahren nach Vorgabe ist das System aber deutlich komfortabler geworden als bei der ersten Generation.

Beim Training kann der Dura 2 Solar strukturierte Einheiten, FTP- und Maximalleistungs-Tests, die Anzeige zahlreicher Metriken, das Ändern von Datenseiten direkt am Computer sowie die Synchronisation mit den üblichen Drittanbieter-Apps: Strava, Komoot, Ride with GPS, TrainingPeaks, TrainerRoad, Zwift und auch Wahoo Sync.

Die Sensor-Kompatibilität deckt das Wesentliche ab: ANT+, Bluetooth, WLAN für Updates und Transfers, Herzfrequenz, Leistung, Smarttrainer, Radar, Beleuchtung, E-Bikes, elektronische Schaltungen von Shimano und SRAM. Die Unterstützung mancher Elemente – etwa Campagnolo oder mehrere Fahrradprofile – soll per Update folgen.

Das ist ein wichtiger Punkt: Coros verkauft nicht mehr nur einen isolierten Computer. Die Marke baut ein komplettes Ökosystem rund um ihre Uhren, ihren Herzfrequenzsensor, die App und Trainingspläne auf. Garmin ist auf diesem Terrain natürlich sehr etabliert, aber Coros macht Tempo – mit einer recht klaren Logik.

Schon jetzt eine stabile Firmware - und das ist nicht nebensächlich

Ich habe ein Modell vor der offiziellen Markteinführung getestet und daher mit ein paar Merkwürdigkeiten gerechnet. Es gab sehr wenige. Die Firmware war stabil, die Hauptfunktionen reagierten korrekt, und ich hatte nicht das Gefühl eines zu früh gestarteten Produkts.

Das unterscheidet sich deutlich von manchen GPS-Geräten oder Uhren, die mit tollem Datenblatt erscheinen und dann mehrere Monate Korrekturen benötigen, bevor sie wirklich empfehlenswert sind. Hier wirkt der Dura 2 Solar schon jetzt wie ein ausgereiftes Produkt.

Es bleiben Funktionen, die nach dem Start kommen sollen: die linke Taste weiter anpassbar, Sprachnotizen, Unterstützung für Reifendrucksensoren, mehrere Fahrradprofile, erweiterte Sensorverwaltung, anpassbare Climb-Alert-Seiten. Diese Ergänzungen sollte man erst beurteilen, wenn sie verfügbar sind – nicht vorher.

Auf diesem Punkt hat Coros eine durchaus beruhigende Historie. Die erste Generation hat sich per Updates stark weiterentwickelt. Der Dura 2 Solar startet auf einem höheren Niveau, mit weniger sichtbaren Kompromissen von Anfang an.

Preis und Positionierung: Coros wechselt die Kategorie

Der Dura 2 Solar ist mit 499 € einzeln oder 549 € mit Halterung angekündigt. Die Aluminium-Halterung kostet 79 €.

Dieser Preis verändert die Einordnung des Produkts komplett. Der erste Dura spielte die aggressive, fast disruptive Karte mit einem moderaten Preis und schwer zu schlagender Ausdauer. Der Dura 2 Solar will nicht mehr nur der clevere, ausdauernde GPS sein. Er greift die High-End-Computer frontal an.

Der Aufpreis ist teils durch Materialien, Display, Rechenleistung, Kartografie, Sprachsteuerung und die Softwarelandschaft begründet. Er schürt aber auch höhere Erwartungen. Auf diesem Niveau verzeiht man fragwürdige Ergonomie-Entscheidungen, das Fehlen einer Halterung in manchen Konfigurationen oder eine optisch weniger integrierte Montage an bestimmten Cockpits weniger leicht.

Für wen ergibt der Dura 2 Solar wirklich Sinn?

Der Coros Dura 2 Solar richtet sich zuerst an Radsportlerinnen und Radsportler, die ein sehr ausdauerndes, sehr gut ablesbares GPS mit echter Kartografie und modernem Verhalten wollen. Langstrecke, Gravel, Straße, strukturiertes Training, häufige Ausfahrten – er setzt viele Haken.

Besonders spannend finde ich ihn für alle, die vor jeder Ausfahrt nicht den Akku im Blick behalten möchten. Mit diesem Niveau an Ausdauer wird das GPS wieder zu einem Werkzeug, das man fast vergisst zu laden. Und das ist auf dem Rad echter Komfort.

GP. – Coros Dura 2 Solar
Coros Dura 2 Solar
⭐️ 4.5/5
„Enorme Akkulaufzeit in einem mutigen Format“
$499

Von den haptischen Tasten unter dem Display bin ich weniger überzeugt. Sie verderben das Erlebnis nicht, wirken für mich aber nicht so natürlich wie das Drehrad des ersten Dura. Das Design könnte polarisieren. Persönlich finde ich es mutig und in der Hand gelungen, eingebaut je nach Cockpit jedoch weniger perfekt.

Entscheidend bleibt: Coros hat sich nicht damit begnügt, sein erstes GPS zu verbessern. Die Marke ist in eine andere Kategorie gewechselt. Der Dura 2 Solar behält die Akkulaufzeit als Basis, fügt aber endlich das Display, die Geschwindigkeit in der Bedienung, die Funktionen und die Verarbeitung hinzu, die gefehlt haben, um den Markt-Referenzen auf Augenhöhe zu begegnen.

Er ist nicht mehr nur ein wegen seines Akkus zu empfehlendes GPS. Er ist ein echter High-End-Radcomputer mit starker Persönlichkeit und einigen Entscheidungen, über die man diskutieren wird.

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