Der Leistungsmesser in der Pedale ist längst keine Kuriosität mehr. Favero hat die Idee breit etabliert, Garmin ist seit Langem am Markt, und Fahrer, die von der Straße zum Gravel wechseln, wollen ihre Watt messen, ohne unterschiedliche Standards, Räder und Kompromisse parallel pflegen zu müssen.
Genau hier setzt CyclOptim an. Mit einem eher seltenen Ansatz: eine in Frankreich gefertigte Sensorachse, die von einer Straßenplattform auf eine SPD-Plattform wechseln kann. Ich verfolge das Projekt seit mehreren Jahren mit seinen Versprechen, Verzögerungen und Entwicklungsschritten. Und diesmal sind die Pedale tatsächlich im Handel.
Stärken:
- Plattformwechsel wirklich schnell
- Konsistente Leistungsdaten
- Hergestellt in Frankreich
Verbesserungswürdig
- Relativ geringe Akkulaufzeit
- Noch keine eigene App
Simon, einer der Mitgründer, hat mir ein hochwertiges Testmuster geschickt: eine Classic-Version mit beidseitiger Messung, geliefert mit Straßen- und MTB/Gravel-Plattformen. Im Vergleich fällt es schwer, nicht an die Favero Assioma Pro MX-2 zu denken, die nach wie vor eine sehr solide Referenz sind.
Ein französisches Produkt, das nicht nur Favero kopieren will
CyclOptim hat nicht einfach ein bestehendes Rezept kopiert. Die Marke hat ihr Produkt um eine klare Idee herum gebaut: die Technik in die Achse zu verlagern und die Plattformen austauschbar zu machen.
Im Combo-Classic-Pack findet man zwei Sensor-Achsen und vier Plattformen: ein MACADAM-Straßenpaar, je nach gewählter Option mit KEO oder SPD-SL kompatibel, und ein MASSIF-Paar im SPD-Standard für MTB, Gravel oder Cyclocross. Der angekündigte Preis für dieses Pack beträgt 890 €.
Die Serie gibt es auch als getrennte Versionen: MACADAM für die Straße ab 430 €, MASSIF fürs Gelände ab 480 €, mit den Varianten Lite oder Classic je nachdem, ob eine ein- oder beidseitige Messung gewünscht ist. Hier ging es im Test vor allem darum zu prüfen, ob das Combo-Konzept im realen Einsatz wirklich trägt.
Die Verpackung ist ordentlich und nicht überladen. Nichts Spektakuläres, was man bei diesem Produkttyp auch nicht erwartet. Ich hätte mir lediglich etwas mehr visuelle Identität direkt an den Pedalen gewünscht. Bei der Straßenversion erscheint die Marke als dezenter Aufkleber. Bei der SPD-Version lässt sich CyclOptim fast nicht auf den ersten Blick erkennen.
Das ist ein Detail, ja. Aber bei einem Produkt, das sich gegen bereits sehr bekannte Referenzen etablieren will, zählt auch das Branding.
Montage und Verbindung: einfach, aber noch vom GPS abhängig
Die Montage erfolgt mit einem 15er Maulschlüssel. Keine Tücken, aber Ihr Multitool hilft hier kaum weiter. Sind die Pedale montiert, geht die Kopplung mit dem GPS-Computer über ANT+ schnell.
Ich hatte keine besonderen Schwierigkeiten bei der Verbindung. Wichtig ist: Die Pedale kommunizieren aktuell über ANT+. Bluetooth ist für ein zukünftiges Update angekündigt, zum Zeitpunkt dieses Tests aber noch nicht verfügbar.
Andere aktuelle Einschränkung: CyclOptim bietet noch keine eigene App. Die Kalibrierung läuft daher über den GPS-Computer. Das ist kein Hindernis, wenn Sie bereits Leistungsmesser nutzen, doch das Fehlen einer App macht sich bei Updates, Produktbetreuung oder bestimmten Konfigurationsschritten bemerkbar.
Die Marke hat mir mitgeteilt, dass die App in Entwicklung ist. Das ist positiv, aber man muss das Produkt im aktuellen Zustand bewerten: Es funktioniert, verbindet sich, kalibriert – das Software-Ökosystem ist jedoch noch nicht auf dem Niveau der etablierten Anbieter.
Beim Laden ist das System mit magnetischem Kontakt praktisch. Der am Achsende sitzende Anschluss ermöglicht das Laden, ohne die Pedale zu demontieren. Schade ist allerdings, dass das mitgelieferte Kabel nicht erlaubt, beide Pedale gleichzeitig zu laden. Bei einem Doppelsensor-Paar wäre ein doppelt ausgeführtes Kabel logischer gewesen.
Mit SPD: zuerst eine echte Pedale, nicht nur ein Sensor
Ich habe mit der MASSIF-Konfiguration begonnen, also SPD, für Gravel und Gelände. Gerade hier müssen Pedale mit Leistungsmesser am stärksten überzeugen. Denn bevor man über Watt spricht, muss die Pedale ihren Job als Pedale sauber erledigen.
Der erste Eindruck ist gut. Die Verarbeitung schafft Vertrauen, das Einklicken geht natürlich von der Hand und man findet sich schnell zurecht, wenn man bereits mit SPD-Pedalen fährt. Das Ausklicken ist deutlich, ohne schwammiges Gefühl.
Man sollte sich lediglich die Zeit nehmen, die Spannung auf beiden Seiten einzustellen. Wie bei vielen zweiseitigen SPD-Pedalen muss die Justage sauber erfolgen, um rechts, links und auf jeder Pedalseite dasselbe Gefühl zu erhalten.
Nach ein paar Einstellungen musste ich mir nichts neu antrainieren. Und das ist wahrscheinlich das beste Kompliment für diesen Produkttyp: man vergisst ziemlich schnell, dass im Achsinneren ein Leistungsmesser sitzt.
Über mehrere hundert Gravel-Kilometer konnte ich keinen übermäßigen Verschleiß feststellen. Die Konstruktion wirkt robust, und die Integration der Elektronik in der Achse reduziert die direkte Schlagbelastung. Das war einer der historischen Schwachpunkte der ersten Generationen von Pedal-Leistungsmessern: zu exponiert, zu fragil, abseits des Asphalts nicht immer vertrauenerweckend.
Hier trifft CyclOptim die richtige technische Wahl. Das macht eine Pedale nicht unzerstörbar, aber das Gesamtpaket wirkt für den realen Einsatz gedacht, nicht nur fürs Datenblatt.
Der Wechsel Straße / Gravel geht wirklich schnell
Das ist das stärkste Versprechen von CyclOptim: die Plattform wechseln, ohne den gesamten Sensor zu tauschen. Die Marke kündigt eine sehr schnelle Operation an. In der Praxis: Ja, es ist simpel.
Der Wechsel von der SPD- zur Straßenplattform gelingt, sobald man den Handgriff verstanden hat, in wenigen Minuten. Vor allem lässt sich das bei montierter Pedale am Rad erledigen. Das ändert einiges.
Ich behaupte nicht, dass ich diese Handgriffe jeden Morgen vor der Ausfahrt machen würde. Aber für einen Fahrer mit nur einem vielseitigen Rad oder jemanden, der regelmäßig zwischen Straßenreifen und Gravel-Reifen wechselt, ist der Nutzen real. Man kann auf gemischten Ausfahrten SPD fahren und für reines Straßenfeeling wieder auf eine Straßenplattform wechseln – mit entsprechender Auflage, den passenden Schuhen und dem Gefühl der Straße.
Auf der Straße ist die Auflage gut und es gibt keine Geräusche
In der MACADAM-Version vermitteln die CyclOptim ein deutlich straßenorientiertes Gefühl. Die Auflagefläche ist zufriedenstellend, das Einklicken geht intuitiv, und ich hatte nicht diese Phase des diffusen Schwimmens, die manche sehr speziellen Pedale mit sich bringen.
Ich hatte eine kleine Sorge wegen möglicher Nebengeräusche. Manche Straßenpedale können je nach Schuhplatten, Verschleiß oder Sauberkeit des Kontakts Geräusche erzeugen. Hier gab es während des Tests nichts zu beanstanden. Kein verdächtiges Knacken, kein lästiges Quietschen.
Das Gewicht liegt leicht über dem der bekanntesten italienischen Konkurrenz. Für Grammjäger nicht trivial, im Einsatz aber auch nicht dominant. Das erklärt sich teilweise dadurch, dass CyclOptim eine größere, steifere Achse mit etwas schwereren Lagern nutzt, um die Haltbarkeit zu erhöhen.
CyclOptim gibt eine Genauigkeit von ±1 %, IPX7-Dichtigkeit, eine vollständige Ladung in unter 3 Stunden und über 1000 Ladezyklen bis zu einem leichten Kapazitätsverlust an. Der Akku ist in der Achse versiegelt und somit nicht austauschbar.
Aber eine der Grenzen zeigt sich hier: etwa 20 h Akkulaufzeit… Das ist für ein Zubehör dieser Art zu wenig. Bei mir heißt das etwa alle 10 Tage laden, während ich das bei Favero komplett vergesse (160 h Akkulaufzeit).
Leistungsdaten: keine sichtbare Drift im Test
Ich habe die Daten mit einem bereits an der Kurbel verbauten Sensor verglichen. Ziel war kein Laborprotokoll, sondern das, was für Fahrer wirklich zählt: Stimmigkeit der Werte, Stabilität, Leistungsspitzen, Verhalten in Belastungsphasen und das Ausbleiben offensichtlicher Drift.
Hier habe ich keine Ausreißer gesehen. Leistungsspitzen werden korrekt abgebildet, Belastungsphasen sind stimmig, und keine externen Einflüsse schienen die Messungen zu stören.
Die Classic-Version liefert zudem eine Links-/Rechts-Messung, da jede Pedale ihren eigenen Sensor besitzt. Das ist interessant, solange man es nicht überinterpretiert. Vor allem im Verlauf macht es Sinn: Entwicklung mit Ermüdung, Rückkehr nach einer Verletzung, Positionswechsel oder Vergleiche über die Zeit.
Die Pedale liefern außerdem die Trittfrequenz und Daten zur Effizienz des Tretens. Auch hier gilt es, pragmatisch zu bleiben. Ein Leistungsmesser dient in erster Linie dazu, die Belastung besser zu steuern, nicht jede Ausfahrt in nie wieder gelesenen Metriken zu ertränken.
Was CyclOptim noch verbessern muss
Das Produkt überzeugt bereits, ist aber rund um die Pedale selbst noch nicht vollständig ausgereift. Das Fehlen einer eigenen App ist derzeit die sichtbarste Einschränkung. Solange alles über den GPS-Computer läuft, bleibt die Erfahrung funktional, aber weniger flüssig als bei etablierten Anbietern.
Auch Ladekabel und Akkulaufzeit sollten weiterentwickelt werden. Ein Doppelkabel, um beide Pedale gleichzeitig zu laden, wäre bei einem Doppelsensor-Paar schlüssiger.
Schließlich könnte das Branding selbstbewusster auftreten. CyclOptim hat eine echte Geschichte, eine Fertigung in Frankreich, ein differenzierendes Konzept. Am Produkt bleibt diese Identität zu dezent.
Gegenüber Favero fehlen noch etwas Ökosystem-Reife, Bekanntheit und vermutlich einige Bedienungsfeinheiten. Der Vergleich ist aber bereits spannend – und fällt nicht nur zugunsten des Platzhirschs aus.
Denn CyclOptim bringt etwas anderes: mit Fertigung in Frankreich und einer Konstruktion, die nicht wie ein einfacher Klon wirkt.
Für wen sind die CyclOptim-Pedale sinnvoll?
Diese Pedale richten sich vor allem an Fahrer, die auf mehreren Untergründen unterwegs sind und den Kauf von zwei Messsystemen vermeiden wollen. Wenn Sie ein Rennrad und ein Gravelbike haben oder ein einziges Rad, das Sie je nach Ausfahrt regelmäßig umbauen, wird das Combo-Pack sinnvoll.
Wenn Sie ausschließlich auf der Straße fahren, kann ein MACADAM-Paar ausreichen. Wenn Sie zu 100 % Gravel oder MTB fahren, sind die MASSIF die logischere Wahl. Der wahre Reiz von CyclOptim liegt für mich jedoch im Combo – dort entfaltet das Konzept seinen vollen Wert.
Man muss ein paar aktuelle Grenzen akzeptieren: noch keine eigene App, Bluetooth erst später angekündigt, geringe Akkulaufzeit, zurückhaltende visuelle Identität. Auf der anderen Seite bleibt Favero eine bewährte Größe mit sehr ausgereifter Produkterfahrung.
Aber CyclOptim gelingt das Wesentliche: eine Pedale, die gut einklickt, sauber misst, sich schnell umbauen lässt und nicht wie ein spät kommerzialisierter Prototyp wirkt. Das Produkt existiert, funktioniert und bringt eine echte französische Alternative in einen Markt, der einen frischen Impuls brauchte.