Nach mehreren Jahren mit meinem Wahoo Roam V1 war es Zeit für einen neuen GPS-Computer. Die Wahl ist nicht einfach: Der Markt ist inzwischen sehr breit aufgestellt, mit Modellen für einige Hundert Euro, anderen deutlich über 700 €, und einer Funktionsliste, die mit jeder Generation wächst.
Vor diesem Hintergrund habe ich den Hammerhead Karoo 3 getestet. Er liegt preislich im Mittelfeld, verspricht aber einiges: großes Touchdisplay, erweiterte Navigation, weitreichende Datenpersonalisierung, Kompatibilität mit zahlreichen Sensoren und die Möglichkeit, Erweiterungen hinzuzufügen.
Nach mehreren Monaten im Einsatz, auf kurzen Ausfahrten wie auch auf langen Distanzen, stellt sich die einfache Frage: Erfüllt der Karoo 3 wirklich die Rolle eines vollständigen GPS, ohne in die höchsten Preisklassen abzurutschen?
Stärken:
- Helles, sehr gut ablesbares Display
- Einfache und schnelle Anpassung der Daten
- Klare Navigation mit freier Kartenerkundung
- Gute Balance aus Funktionen, Ergonomie und Preis
Verbesserungswürdig
- Keine native Anzeige des vollständigen Streckenprofils
- Ordentliche Akkulaufzeit, aber wenig geeignet für Ultra-Distanzen
Hochwertige Verarbeitung, seriöses Format
Der Karoo 3 kommt in einer schlichten Verpackung, ohne unnötigen Schnickschnack. Alles Nötige ist dabei, um schnell loszulegen, inklusive Halterungssystem und Zubehör für die Montage.
Wie viele aktuelle GPS-Computer hat er ein größeres Display als mein alter Wahoo Roam V1. Er bringt auch mehr Gewicht auf die Waage: 120 g gegenüber 99 g beim Wahoo. Das ist nicht unerheblich, bleibt am Rad montiert aber ausreichend kompakt.
Optisch vermittelt der Karoo 3 sofort einen hochwertigen Eindruck. Die Verarbeitung ist sauber, das Gerät wirkt kompakt und solide, und das Display spielt eine zentrale Rolle im Nutzungserlebnis.
Hammerhead erlaubt zudem, das Gehäuse mit verschiedenen Farben zu individualisieren. Ich habe die violette Version getestet, es gibt aber auch andere Töne, etwa Blau oder Grau. Das ist natürlich ein Detail, verleiht dem Computer am Lenker aber mehr Persönlichkeit als ein reiner schwarzer Klotz.
Das Display verändert die Nutzung spürbar
Der erste wirkliche Unterschied zu meinem alten GPS ist das Display. Auflösung und Helligkeit liegen deutlich über denen des Wahoo Roam V1. Karten sind angenehmer zu lesen, Daten heben sich besser ab, und die Anzeige bleibt auch bei direktem Tageslicht komfortabel.
Auch der Touchscreen bringt im Alltag viel. Das Gerät reagiert flott, die Oberfläche erschließt sich schnell, und man hat nicht das Gefühl, sich durch drei Menüs hangeln zu müssen, um ein Detail zu ändern.
Der Karoo 3 erlaubt mehrere Profile und passt die angezeigten Daten jeweils daran an. Zum Beispiel ein Straßen-Profil und ein Gravel-Profil, mit unterschiedlichen Feldern je nach verwendetem Rad.
Das ist besonders praktisch, wenn man an einem Rad einen Leistungsmesser fährt, am anderen aber nicht. So verhindert das Profil, dass beim Wechsel der Konfiguration ein überflüssiges leeres Feld bleibt.
Am meisten beeindruckt hat mich die einfache Personalisierung. Um ein Datenfeld zu ändern, hält man es einfach gedrückt und bekommt die Liste der verfügbaren Informationen angezeigt. Das geht schnell, intuitiv, fast selbstverständlich.
Ich habe meine Seiten sogar schon während der Fahrt angepasst. Das würde ich nicht unbedingt als Gewohnheit empfehlen, zeigt aber, wie unkompliziert die Oberfläche ist. Das ist einer der größten Unterschiede zu meinem alten Wahoo.
Auch die verschiedenen Anzeigeoptionen haben mir gefallen. Farbige Hintergründe etwa lassen Zonen für Leistung oder Herzfrequenz schnell erfassen, ohne jede Zahl exakt lesen zu müssen. Auf intensiven oder langen Ausfahrten zählt so ein Detail mehr, als man denkt.
Sehr hilfreich ist zudem die kombinierte Anzeige von verbleibender Distanz und Höhenmetern in einer Visualisierung. Auf langen Touren liefert das sofort ein Gefühl für den Fortschritt und das, was noch bevorsteht.
Intuitive Navigation, aber der Zoom ist etwas begrenzt
Nach mehreren Monaten Nutzung ist die Navigation sehr intuitiv geworden. Die Karte ist klar und gut lesbar, und man gewöhnt sich schnell an ihre Logik.
Allerdings hätte ich mir mehr Zoomstufen gewünscht. Der Karoo 3 bietet drei, während mein alter Wahoo Roam V1 weiter ging. Meist ist das kein Problem, doch gelegentlich habe ich eine Zwischenstufe vermisst – etwa um eine Abzweigung oder eine dicht bebaute Zone besser zu verstehen.
Im Gegenzug habe ich die freie Kartenerkundung sehr geschätzt. Man kann herauszoomen, die Karte mit dem Finger verschieben, sich die Umgebung ansehen – ähnlich wie auf einem Smartphone.
So lassen sich Straßen, Dörfer, ein interessanter Punkt oder ein bestimmter Ort finden, ohne an die Zone um die eigene Position gebunden zu sein. Anschließend genügt ein Tipp auf die Karte, damit der GPS-Computer eine Route dorthin berechnet.
Das ist sehr praktisch, wenn man einen Wasserpunkt, ein Café oder einfach ein nicht ursprünglich geplantes Ziel sucht. In solchen Momenten wirkt der Karoo 3 wirklich wie ein modernes Werkzeug, das sich der Tour anpasst statt starr an einer vorgegebenen Strecke zu kleben.
Auch die Auswahl der Routen ist gelungen. Sind mehrere Touren gespeichert, findet man dank Ziffernblock schnell die gewünschte und kann ihren Verlauf direkt auf der Karte ansehen, bevor man sie startet.
Alles ist klar, schnell, gut lesbar. Das trägt wesentlich zu dem ausgereiften Eindruck bei, den der Karoo 3 schon bei den ersten Einsätzen vermittelt.
Nützliche Erweiterungen, um den GPS-Computer an die eigene Nutzung anzupassen
Der Karoo 3 arbeitet mit einem Erweiterungssystem, über das sich zusätzliche Funktionen hinzufügen lassen.
So kann man zum Beispiel Epic Ride Weather installieren, um Wetterinformationen direkt auf dem Computer zu sehen, oder weitere Erweiterungen hinzufügen, die die angezeigten Daten bereichern.
Dieses System bringt echte Flexibilität. Es erlaubt, den GPS-Computer an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, statt sich nur auf die ab Werk installierten Funktionen zu stützen. Das ist einer der Aspekte, die dem Karoo 3 den Charakter eines weiterentwickelbaren Werkzeugs geben – fast näher an einem Smartphone als an einem klassischen Fahrradcomputer.
Shimano Di2: kompatibel ist es, aber nicht nativ
Shimano-Di2-Nutzer müssen mit einer Einschränkung leben. Da Hammerhead zur SRAM-Gruppe gehört, gibt es keine native Integration, um ein Shimano Di2 direkt mit dem Karoo 3 zu verbinden und die eingelegten Gänge anzuzeigen.
Über eine Drittanbieter-Erweiterung, KI2, ist es jedoch möglich. Die Einrichtung ist relativ einfach und bringt die Di2-Informationen auf den GPS-Computer.
Man sollte lediglich bedenken, dass es sich nicht um eine offizielle Hammerhead-Lösung handelt. Bei mir kam es vor, dass die Gänge auf einigen Fahrten trotz Nutzung von KI2 nicht korrekt angezeigt wurden.
Das ist nicht ausschlaggebend, aber bei einem so umfassenden GPS wäre eine native Integration wünschenswert gewesen.
Eine klare, intuitive Mobile App
Zum Karoo 3 gehört auch die Hammerhead-Mobile-App, in der sich alle eigenen Routen aus verschiedenen Plattformen wie Strava oder Komoot an einem Ort wiederfinden. Man kann dort außerdem den Aktivitätsverlauf einsehen oder strukturierte Trainings importieren, die anschließend automatisch auf den Karoo 3 übertragen werden.
Die App wirkt klar und intuitiv. Sie ergänzt die GPS-Erfahrung sinnvoll und erleichtert die zentrale Verwaltung von Aktivitäten und Routen.
In meinem Fall habe ich sie allerdings nur selten genutzt. Da der Karoo 3 direkt am Gerät besonders einfach zu bedienen ist, hatte ich kaum das Bedürfnis, auf die App zurückzugreifen. Die einzige Funktion, die ich regelmäßig verwendet habe, war das Teilen meiner Position mit meinen Angehörigen – vor allem bei langen Ausfahrten.
Eine Datenanalyse, die recht grundlegend bleibt
In Sachen Daten zeigt die App die wichtigsten Infos zu jeder Ausfahrt: Distanz, Höhenmeter, Geschwindigkeit, Leistung, Trittfrequenz, Herzfrequenz sowie verbrauchte Kalorien. Es gibt zudem Grafiken, die den Verlauf dieser Werte über die Tour hinweg abbilden.
Die Analyse reicht also aus, um eine Ausfahrt nachzuvollziehen und ihren Ablauf zu verstehen, bleibt jedoch recht limitiert, wenn es darum geht, die eigene Entwicklung über die Zeit zu verfolgen. Gerade hier geht Garmin mit Garmin Connect deutlich weiter. Die Plattform setzt die Daten über mehrere Wochen oder Monate in Relation, mit Grafiken zum Trainingsload, Trainingsstatus oder auch zur VO₂max. Die Power Curve erlaubt zudem, Bestleistungen über verschiedene Zeiträume zu verfolgen und mit den jüngsten Leistungen zu vergleichen.
Solch ein Monitoring hilft, die eigenen Leistungen einzuordnen und die Entwicklung über Wochen oder Monate konkret zu sehen. Diese Dimension ist im Hammerhead-Ökosystem deutlich weniger ausgeprägt.
Für die wesentlichen Daten einer Ausfahrt erfüllt die Hammerhead-App ihren Zweck also sehr gut. Für Radfahrende, die ihre Daten jedoch als echtes Werkzeug zur Trainingssteuerung über längere Zeit nutzen und ihre Fortschritte messen möchten, bietet Garmin eine deutlich tiefere Analyse.
Akkulaufzeit ausreichend für lange Ausfahrten
Zur Akkulaufzeit: Ich habe etwa 10 % Verbrauch pro Stunde festgestellt bei kompletter Nutzung – Navigation, Radar, Leistungsmesser und automatischer Helligkeit.
Das entspricht unter diesen Bedingungen rund 10 Stunden Nutzung.
Als ausgesprochener Langstreckenfan habe ich diesen Punkt im Blick behalten. Schlussendlich habe ich nie eine Ausfahrt mit der Sorge beendet, der Akku könne ausgehen. Mehrere 8-Stunden-Fahrten habe ich absolviert, ohne die Nutzung des Geräts einschränken zu müssen, um Akku zu sparen.
Der Karoo 3 wechselt bei Stopps, etwa während einer Essenspause, in den Standby, was den Verbrauch deutlich reduziert. Mehrere Energiesparmodi verlängern die Laufzeit bei Bedarf zusätzlich, unter anderem durch Abschalten des Displays während der Fahrt.
Für eine gelegentliche lange Tour erscheint mir diese Akkulaufzeit daher mehr als ausreichend. Für Radfahrende, die sehr häufig fahren, vier bis sechs Mal pro Woche, kann es allerdings lästig werden, da das Gerät dann regelmäßig geladen werden muss.
Die Akkulaufzeit ist auch als Kompromiss zu sehen. Der Karoo 3 ist preislich unter einigen sehr hochwertigen GPS-Computern angesiedelt, und bestimmte technische Entscheidungen tragen zwangsläufig zu diesem Unterschied bei. Aus meiner Sicht bleibt die Laufzeit für die Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer akzeptabel.
Wer die Akkulaufzeit deutlich über alles andere stellt, kann sich Geräte ansehen, die genau darum herum konstruiert sind, wie den Coros Dura mit seiner beeindruckenden Laufzeit. Der Karoo 3 setzt stärker auf Display, Oberfläche und die Gesamtergonomie.
Das vollständige Streckenprofil fehlt wirklich
Eine Funktion habe ich während dieses Tests wirklich vermisst: die Anzeige des vollständigen Streckenprofils.
Auf meinem alten Wahoo hatte ich eine eigene Seite, die das komplette Profil der Tour zeigte, mit Anstiegen, Abfahrten und flacheren Passagen.
Für Langstreckenfahrer ist diese Information sehr hilfreich. Sie ermöglicht, kommende Schwierigkeiten abzuschätzen, die Leistung zu steuern und die Energie über mehrere Stunden besser einzuteilen.
Der Karoo 3 zeigt zwar das Profil von Anstiegen an, wenn man sich ihnen nähert, bietet jedoch keine vollständige Visualisierung des Streckenprofils.
Es gibt eine inoffizielle Erweiterung für ein umfassenderes Profil, deren Integration bleibt aber weniger ausgereift als eine native Funktion.
Das hat mich wohl am meisten überrascht. Nach mehreren Jahren mit einem Wahoo, der diese Funktion bietet, bin ich davon ausgegangen, sie auf einem so vollständigen Gerät wie dem Karoo 3 ebenfalls zu finden.
Der Hammerhead-Herzfrequenzgurt, leicht und effektiv
Ich habe auch den Hammerhead-Herzfrequenzgurt getestet.
Auffällig ist zunächst sein Gewicht: 43 g gegenüber 52 g bei meinem Garmin HRM-Pro Plus. Ich hätte nicht gedacht, dass ein paar Gramm so einen klaren Unterschied machen, aber der Gurt ist am Körper tatsächlich kaum spürbar.
Bei den Daten gibt es nichts zu beanstanden: Die aufgezeichneten Werte stimmen mit denen meines Garmin-Gurts überein.
Zu einem geringeren Preis als manche Konkurrenzmodelle von Wahoo oder Garmin ist er daher eine interessante Lösung für Radfahrende, die einfach einen zuverlässigen Gurt zur Messung ihrer Herzfrequenz suchen, ohne zwingend die Zusatzfunktionen der höherpreisigen Modelle zu benötigen.
Im Vergleich zur Konkurrenz: eine recht stimmige Balance
Im Vergleich zu den Topmodellen am Markt positioniert sich der Karoo 3 im Mittelfeld. Er übernimmt viele Elemente eines Premium-GPS, bleibt jedoch zugänglicher als die teuersten Referenzen.
Sein Reiz liegt in der Balance aus Funktionen, Ergonomie und Preis.
Ein anschauliches Beispiel sind die Bedienelemente. Der Karoo 3 kombiniert Touchdisplay und physische Tasten, zwischen denen man je nach Bedingungen wechseln kann. Auf dem Rad ergibt das Sinn. Mit Handschuhen oder im Regen kann Touch weniger angenehm sein, während Tasten die Kontrolle über die wichtigsten Funktionen sichern.
Das unterscheidet ihn unter anderem von einem Garmin Edge 1050, der vollständig auf Touch setzt. Das sorgt bei guten Bedingungen für eine moderne, aufgeräumte Oberfläche, kann aber an Grenzen stoßen, wenn das Fahren anspruchsvoller wird.
Beim Karoo 3 behält Hammerhead die Tasten als Ergänzung zum Touch bei. Das ist nicht spektakulär, aber eine sehr fahrradgerechte Entscheidung – eine Entscheidung, die berücksichtigt, was auf der Straße wirklich passiert: Handschuhe, Regen, Ermüdung oder einfach eine weniger präzise Hand nach mehreren Stunden.
Was ich nach mehreren Monaten mitnehme
Nach mehreren Monaten Nutzung hat mich der Karoo 3 insgesamt überzeugt.
Sein Display, die Daten-Personalisierung und die generelle Ergonomie sind die prägnantesten Punkte. Das sind Funktionen, die man bei jeder Ausfahrt nutzt und die den GPS-Computer im Alltag wirklich angenehm machen.
Überrascht hat mich hingegen das Fehlen eines vollständigen Streckenprofils, das ich für das Pacing auf langen Distanzen als sehr wichtig erachte. Auch die fehlende native Integration von Shimano Di2 ist bedauerlich, wenngleich die KI2-Erweiterung diese Grenze teilweise umgeht.
Trotz dieser Vorbehalte bietet der Karoo 3 eine sehr gute Balance aus Funktionen, einfacher Bedienung und Preis. Er erscheint mir besonders geeignet für regelmäßig fahrende Radfahrende, die einen vollständigen, gut ablesbaren und anpassbaren GPS-Computer wollen, ohne zwingend zum teuersten Modell am Markt zu greifen.
Er ist nicht der ausdauerndste Computer und nicht in jedem Detail der kompletteste. Aber in der Praxis lernt man ihn sehr schnell zu schätzen.