GRAVEL
ROAD

1.000-g-Rahmen, 50-mm-Reifen: LOOK präsentiert sein sportlichstes Gravelbike

LOOK hatte mit dem G85 Cezal bereits den Grundstein gelegt – als die vielseitigere Option. Es fehlte noch eine klar rennorientierte Version. Hier ist sie: der G85 Cezal RS, ein Carbon-Gravelbike, ausgelegt auf hohes Tempo über mittlere und lange Distanzen, mit hochwertigem Aufbau, einem mit 1.000 g angegebenen Rahmen und einer klaren Ausrichtung auf Performance.

Diese Markteinführung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Gravel-Race noch zwischen drei Linien bewegt: Aerodynamik, Komfort und immer mehr Reifenfreiheit. LOOK legt sich nicht eindeutig fest. Die Marke spricht lieber von Ausgewogenheit, mit einer klaren Idee: Aerodynamik dort optimieren, wo sie am meisten bringt – rund um die Fahrerposition und das Cockpit – statt den gesamten Rahmen in ein verkapptes Zeitfahrrad zu verwandeln.

🚀 Kurz gesagt:

  • Erstes Gravel-Race-RS von LOOK, abgeleitet vom G85 Cezal

  • Carbonrahmen mit 1.000 g, 200 g leichter als der G85 Cezal

  • Reifenfreiheit 57 mm vorn und 50 mm hinten im 1x-Setup

Eine RS-Version, leichter und steifer, aber keine neue Plattform

Der G85 Cezal RS übernimmt die gleiche Geometrie wie der klassische G85 Cezal. Der Unterschied liegt vor allem beim Carbon und in der Positionierung. LOOK kündigt ein neues Hochmodul-Layup an, mit 200 g weniger als beim Standard-G85 Cezal, für einen Rahmen mit 1.000 g in Größe M.

Die Marke gibt außerdem +19 % Steifigkeit am Tretlager und +20 % am Steuerrohr gegenüber dem G85 Cezal an. Das sind Werte, die es im Praxiseinsatz zu bestätigen gilt, aber die Absicht ist klar: dem RS eine direktere Reaktion bei Antritten, Attacken und auf schnellen Passagen zu geben, wo ein zu weiches Gravelbike am Ende Watt frisst.

Der Rahmen bleibt 1x- und 2x-kompatibel, mit Kettenblättern bis 50 Zähnen. Außerdem gibt es ein T47-Tretlager, ein UDH-Schaltauge, 12-mm-Steckachsen, Flat-Mount-Bremsaufnahmen für 160 mm und eine 27,2-mm-Carbon-Sattelstütze. Nichts Exotisches um der Exotik willen. Das ist eher beruhigend.

Aero konzentriert sich vor allem aufs Cockpit

Die Topversion führt bei LOOK ein wichtiges Detail ein: ein vollständig integriertes Cockpit mit LOOK Aero Carbon Vorbau und Aero Carbon RS 3 Lenker. Die Marke betont diesen Punkt stark. Der Aero-Gewinn wird nicht überall gesucht, sondern vor allem am Cockpit und bei der Fähigkeit, eine effiziente Position lange zu halten.

Das ist eine ziemlich realistische Lesart des modernen Gravel. Bei 35 oder 40 km/h auf schnellen Pisten zählt die Aerodynamik. Aber auf einem ruppigen Kurs, in einer technischen Abfahrt oder am Rennende, wenn man weniger sauber tritt, können Kontrolle und Komfort stärker ins Gewicht fallen als ein noch profilierteres Rohr.

LOOK führt sogar eine Simulation über ein 146-km-Rennen an: Ein aerodynamischeres Rad würde auf dem Papier 137 Sekunden bringen, könnte aber in technischen Abfahrten, bei Tretunterbrechungen und durch kumulierte Ermüdung mehr verlieren. Es ist eine Herstellerdemonstration und daher mit Vorsicht zu genießen. Aber das Argument ist nicht abwegig.

57 mm vorn, 50 mm hinten: ausreichend, auch wenn manche woanders hinschauen werden

Der G85 Cezal RS nimmt Reifen bis zu 57 mm vorn und 50 mm hinten mit Einfach-Kettenblatt auf. Mit Doppel-Kettenblatt sinkt die hintere Reifenfreiheit auf 45 mm. LOOK steht zu dieser Wahl: lieber kurze Kettenstreben von 425 mm und ein reaktives Rad behalten, statt das absolute Maximum an Reifenfreiheit zu suchen.

Manche werden das Limit hinten schon etwas konservativ finden, zumal die Werte im Markt schnell steigen. Aber das gehört in den Kontext: Noch vor Kurzem galt eine 50-mm-Freiheit an einem schnellen Gravelbike fast als avantgardistisch. In der Praxis deckt das eine große Mehrheit der Race-Einsätze ab, auch mit 45- oder 50-mm-Reifen je nach Terrain.

Die Möglichkeit, vorn deutlich größer zu fahren, ist interessant. Dort sucht man oft nach Grip, Komfort und Sicherheit in der Abfahrt. Hinten kann zu viel Volumen das Vortriebsgefühl verschlechtern, wenn die Karkasse zu stark arbeitet. LOOK verteidigt also einen ziemlich kohärenten Kompromiss, auch wenn er jene nicht begeistern wird, die ein Gravel-Race in ein Mini-MTB verwandeln wollen.

Eine Geometrie, die für ein Race-Gravel Fragen aufwirft

Das ist wahrscheinlich der überraschendste Punkt am G85 Cezal RS. LOOK spricht von einem präzisen, reaktiven Gravel, stabil in der Abfahrt und rennorientiert. Dennoch zeigen die verfügbaren Daten einen für ein Race-Bike recht hohen Stack.

Persönlich läge ich in Größe L etwa 3 cm höher als auf mehreren aktuellen Gravels, die in derselben Kategorie spielen. Das ist kein Detail. Das Stack/Reach-Verhältnis zählt viel, wenn man eine lange, niedrige, windgünstige Position sucht.

Das heißt nicht, dass eine aggressive Position unmöglich wäre. Das Cockpit bietet 50 mm Spielraum beim Stack, mit mehreren Vorbaulängen und Lenkerbreiten. Aber der Rahmen drängt in seiner Grundanlage nicht natürlich zu einer sehr niedrigen Position. Für ein Rad mit RS-Label ist das eine erwähnenswerte Entscheidung.

Es fehlen auch nützliche Angaben, insbesondere der vollständige Radstand in den bereitgestellten Unterlagen. LOOK spricht von kurzem Radstand und 425-mm-Kettenstreben, aber ohne alle Maße ist es schwierig, Stabilität und Hochgeschwindigkeitsverhalten präzise zu beurteilen.

3D Wave: Komfort als Performance-Tool

Hinten setzt LOOK sein 3D Wave Flex-System ein, mit Sitzstreben, die Vibrationen filtern. Die Marke spricht von bis zu 15 % weniger Vibrationen, ohne Verlust der lateralen Kraftübertragung.

Die Idee ist einfach: Mikro-Unterbrechungen beim Pedalieren auf rauem Terrain begrenzen. Im Gravel ist das nicht nebensächlich. Ein zu hartes Rad kann bei einem kurzen Antritt sehr schmeicheln, dann aber nach drei Stunden auf schlechter Piste teuer werden. Komfort ist nicht nur eine Frage der Sanftheit. Er ist manchmal das, was sauberes Weiterpedalieren ermöglicht.

Die 27,2-mm-Sattelstütze geht in dieselbe Richtung. Dieser Durchmesser bleibt eine der einfachsten Möglichkeiten, ein Mindestmaß an vertikalem Flex zu behalten, ohne das Rad zu beschweren oder zu verkomplizieren. An einem als Race angekündigten Rad ist diese Wahl durchaus willkommen.

Drei Versionen, von 3.290 € bis 8.990 €

Die G85 Cezal RS-Serie startet mit einem Rahmenset für 3.290 €, geliefert mit Token T47-Tretlager, Flat-Mount-Befestigungsschrauben für 160 mm und LOOK LS1 Carbon-Sattelstütze in 27,2 mm. Zwei Komplettaufbauten sind angekündigt.

Die Version SRAM Force XPLR 1x liegt bei 6.990 €, bei 8,3 kg in Größe M, mit 40er Kettenblatt, Deda Superzero Carbon / Superbox Cockpit, Fulcrum Sharq C25 Laufrädern (42 mm) und Hutchinson Touareg Race Reifen in 700 x 45 mm.

Die Version SRAM RED XPLR steigt auf 8.990 €, bei 7,9 kg in Größe M, mit Aero-Kettenblatt mit 44 Zähnen, komplettem LOOK Aero Carbon Cockpit, denselben Fulcrum Sharq C25 Laufrädern und Hutchinson Touareg Race Reifen in 700 x 45 mm.

Damit sind wir weit entfernt von erschwinglichen Gravel-Race-Bikes. Zur Markteinordnung zeigt unsere Auswahl an Gravel-Race-Bikes unter 5.000 € deutlich, dass Performance nicht nur Aufbauten nahe 9.000 € vorbehalten ist. LOOK zielt klar auf das obere Marktsegment, mit Assemblage in Nevers, lebenslanger Garantie und einer starken französischen Identität als zusätzlichen Argumenten.

Co-entwickelt mit Russell Finsterwald

LOOK hebt auch die Rolle von Russell Finsterwald in der Entwicklung hervor. Der US-Fahrer gewann die Belgian Waffle Ride Arizona 2026 auf einem Prototyp und fuhr bei The Traka 360 in die Top 20. Sein Feedback habe das Lay-up und die Wahl der Ausstattung beeinflusst.

Das ist von außen immer schwer zu messen. Aber im aktuellen Gravel-Race brauchen Marken Rückmeldungen von Fahrern, die lange und schnell auf sehr unterschiedlichem Terrain unterwegs sind. Die Tatsache, dass das Rad bereits im Rennen eingesetzt wurde, verleiht dem technischen Ansatz zumindest etwas mehr Gewicht.

Unser Blick auf diesen G85 Cezal RS

Der LOOK G85 Cezal RS kommt mit echter Persönlichkeit. Nicht nur, weil er französisch ist, in Nevers assembliert und sehr hoch positioniert. Vor allem, weil er nicht blind dem Wettlauf um Aero-Rohre oder maximale Reifenfreiheit folgt.

Die Reifenfreiheit ist großzügig, ohne extrem zu sein. Der Rahmen sucht Steifigkeit und niedriges Gewicht, behält aber Dämpfungsarbeit. Das integrierte Cockpit bringt LOOK endlich ein Cockpit, das zum Race-Anspruch des Modells passt. In vielen Punkten trifft das Rad ins Schwarze.

Die entscheidende Frage betrifft die Geometrie. Für ein Gravel-Race wirft dieser hohe Stack Fragen auf. Er kann das Rad zugänglicher machen, auf lange Distanz besser fahrbar, vielleicht auch vielseitiger. Aber er könnte Fahrer frustrieren, die eine sehr aggressive Position suchen, ohne stark über das Cockpit kompensieren zu müssen.

Ohne Praxistest ist es unmöglich, zum realen Fahrverhalten weiterzugehen. Sicher ist jedoch eines: LOOK bringt nicht einfach nur eine abgespeckte Version des G85 Cezal heraus. Die Marke besetzt das Gravel-Race-Segment mit einer selbstbewussten, sehr hochklassigen Positionierung, die sich ausreichend unterscheidet, um einen genaueren Blick zu verdienen.

Zusätzliche Informationen

Einsatzbereich

Gravel-Race

Material

Carbon

Elektrische Unterstützung

Nein

Geschlecht

Unisex

Jahr

2027

Modell

Look Cezal RS Sram Force, Look Cezal RS Sram Red

LOOK G85 Cezal RS
„Sehr auf Tempo ausgelegt, doch die Geometrie überrascht für reines Race“
Preisspanne: $6,990 bis $8,990

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