GRAVEL
ROAD

Test der Galfer Wave Bremsscheiben: mehr Biss, null Vibrationen

Galfer kommt nicht aus dem Nichts. Im Motorrad- und später im MTB-Bereich hat sich die Marke einen soliden Ruf erarbeitet – Leistung, Hitzebeständigkeit, Geräuschentwicklung, Konstanz. Auf Straße und im Gravel fällt der Name immer häufiger, sobald es um besseres Bremsen oder Gewichtssparen am Rad geht.

Ich habe die Galfer Wave Bremsscheiben mit einer klaren Erwartung montiert: ein Vibrationsproblem an meinen Carbon-Laufrädern zu beseitigen, ohne bei der Bremsqualität einzubüßen. Und wenn möglich, dabei noch etwas mehr Biss zu bekommen.

Unser Kurzfazit 👇

Stärken:

Verbesserungswürdig

Ausgangspunkt: eine lästige Resonanz mit meinen Carbon-Laufrädern

Vor diesem Aufbau fuhr ich halbschwimmend gelagerte SRAM-Bremsscheiben an meinen Carbon-Laufrädern. Beim Einsatz der Vorderradbremse geriet das Rad in spürbare Vibrationen. Nicht nur ein leises Geräusch: eine echte Resonanz, deutlich im Cockpit spürbar.

Das kann bei sehr steifen Carbon-Laufrädern auftreten, besonders wenn das Rad selbst viele Vibrationen weitergibt. Darauf sind wir übrigens schon im Test der Newmen Streem Allround VONOA eingegangen, wo die Kombination aus steifen Laufrädern, steifem Rad und halbschwimmenden Scheiben empfindlich werden kann.

Kleiner Technikpunkt: Was ist eine halbschwimmende Bremsscheibe? 💡

Eine halbschwimmende Scheibe besteht aus zwei Teilen:

  • der Reibring aus Stahl (auf dem die Beläge beim Bremsen reiben)
  • und dem „Spider“ zentral in Aluminium (der Teil, der auf das Rad gesteckt wird).


Diese beiden Teile werden so verbunden, dass
dem Reibring ein kleiner Bewegungsfreiraum bleibt. So kann er sich bei der durch das Bremsen entstehenden Wärme ausdehnen, ohne alle Kräfte in den Spider zu übertragen – und das hilft, thermische Verformungen der Scheibe zu begrenzen.

Die hier getesteten Galfer sind feste Bremsscheiben. Das heißt, es gibt keine Schnittstelle zwischen Reibring und einem separaten zentralen Spider, und dem Reibring wird kein Spiel gelassen, um die Ausdehnung abzumildern.
Das wirkt vielleicht weniger ausgeklügelt als eine halbschwimmende Scheibe, war in meinem Fall aber genau der Punkt.

Auspacken: schlicht, sauber, aber eine Scheibe kam verzogen an

Die Scheiben kommen im Karton, dazu ein Galfer-Lockring und ein kleiner Sticker. Nichts Spektakuläres, aber insgesamt wirkt es wertig. Das Wave-Design ist sehr markant: Man erkennt eine Galfer-Scheibe am Rad sofort.

Der erste Wermutstropfen kam noch vor der Jungfernfahrt: Eine der beiden Scheiben war leicht verzogen. Schade, denn das ist nicht nur ein schlechter erster Eindruck. Mehrere Nutzerberichte erwähnen ebenfalls Galfer-Scheiben, die bereits verzogen ankommen oder sich relativ leicht verziehen.

In meinem Fall ließ sich die Scheibe richten, aber diese Grenze sollte man im Kopf behalten. Wer eine Bremsscheibe kauft, erwartet ein Teil, das sich sauber montieren lässt – keine kleine Schraubersession vor der ersten Ausfahrt.

Center-Lock-Montage: Achtung beim mitgelieferten Lockring

Die getesteten Scheiben werden per „Center-Lock“ befestigt, es gibt sie aber auch mit 6-Loch-Aufnahme. Galfer legt zudem einen Außen-Lockring bei, was beim Scheibenkauf nicht immer der Fall ist.

Achtung: Der Außen-Lockring wird nicht mit demselben Werkzeug angezogen wie ein Innen-Lockring (à la Kassettenwerkzeug). Dafür braucht es einen speziellen Schlüssel. 
Ich hatte persönlich kein Werkzeug für den Außen-Lockring zur Hand – also habe ich die Galfer-Lockringe durch Innen-Lockringe ersetzt.

Ein Scheibenwechsel ist mehr, als einfach ein neues Teil anzuschrauben

Beim Scheibenwechsel sollte man sauber neu anfangen. Für diesen Test habe ich bewusst meine gewohnten organischen Beläge beibehalten, um die Eindrücke klar dem Scheibenwechsel zuzuordnen und die Eindrücke nicht mit einem Belagwechsel zu vermischen. 

Vor dem Einbremsen der neuen Scheiben empfiehlt es sich, die Beläge leicht anzuschleifen. Nicht, um sie zu erneuern, sondern um eine mögliche Glasur zu brechen und einen sauberen Kontakt mit dem neuen Reibring zu fördern.

Meine Methode ist simpel: passendes Schleifpapier, Belag plan auflegen und Bewegungen in Form einer Acht. So vermeidet man Schiefschliff (passiert schnell, wenn man nur hin- und herzieht oder Kreise macht).

Sobald die Oberfläche der Reibschicht matt ist, reicht es. Danach mit Isopropylalkohol (oder Scheibenbremsenreiniger) reinigen, mit einem absolut sauberen Tuch trocknen und wieder montieren.

Wer tiefer einsteigen will, findet in unserem Ratgeber wann man seine Scheibenbremsbeläge wechseln sollte eine gute Grundlage.

Einbremsen einfacher als erwartet

Das Einbremsen lief gut. Sogar besser als erwartet. Im Vergleich zu meinen vorherigen SRAM-Scheiben ging diese Phase schneller. Die Bremsleistung stellte sich zügig ein, ohne lange diffuse Phase, in der man sich fragt, ob die Beläge überhaupt richtig greifen.

Woran das genau lag, kann ich nicht sagen – Oberfläche, Scheibendesign, verwendeter Stahl, Kompatibilität mit meinen organischen Belägen … vermutlich ein Mix aus vielem. In der Praxis war die Eingewöhnung jedenfalls einfacher.

Die echte Veränderung: Die Vibrationen waren sofort weg

Das ist der klarste Punkt dieses Tests. Bereits bei den ersten Bremsungen war die Resonanz an der Vorderbremse verschwunden. Keine Störvibrationen mehr im Rad, kein unangenehmes Gefühl eines Systems, das ausgerechnet beim Tempokontrollieren in Resonanz geht.

Der Wechsel auf eine feste Scheibe hat mein Problem also gelöst. Sofort. Und das ist vermutlich das stärkste Argument für diese Galfer in einer Konfiguration wie meiner: steife Carbon-Laufräder, Carbon-Speichen, ein Rad, das viele Vibrationen durchreicht.

Ich wäre vorsichtig, daraus eine allgemeine Regel abzuleiten. Nicht jedes Bremsgeräusch kommt von schwimmenden Scheiben, und nicht jede Vibration verschwindet mit einer festen Scheibe. Aber wenn Ihr Problem ähnlich aussieht, kann der Wechsel tatsächlich viel am Rad verändern.

Bremsen: mehr Biss, ohne ruppig zu werden

Das Gefühl am Hebel ist interessant. Ich würde nicht sagen, dass die Bremse schärfer im Sinne von trockener oder härter anspricht. Darum geht es nicht. Vielmehr spürte ich mehr Biss – die Bremse greift besser und verlangt weniger Nachdruck für kräftiges Verzögern.

Mit organischen Belägen bleibt die Abstimmung ausgewogen: gutes Gefühl, bei Trockenheit leise, gut dosierbares Bremsen. Genau diese Konfiguration wollte ich testen, weil sie im Alltag angenehm bleibt.

Im Trockenen blieben die Bremsen leise. Ein echter Pluspunkt, gerade nach einem Scheibenwechsel, bei dem manche Setups in den ersten Kilometern nervig sein können.

Im Regen sieht es anders aus. Die Galfer werden laut – und lauter als meine SRAM-Scheiben unter denselben Bedingungen. Für Scheibenbremsen im Nassen nicht ungewöhnlich, aber das Geräuschniveau ist mir aufgefallen. Wenn Sie häufig im Regen fahren, sollten Sie das einplanen.

In Abfahrten kein spürbarer Bremsleistungsverlust

Ich hatte einige zurückhaltende Stimmen zu den Galfer gelesen, vor allem zur angeblichen Neigung, sich in langen Abfahrten bei Hitze zu verziehen. Das wollte ich im Blick behalten.

Ich fahre jede Woche Passabfahrten. Keine endlosen 20-Kilometer-Alpenabfahrten, aber genug, um die Bremsen wiederholt zu fordern. Unter diesen Bedingungen habe ich keinen Leistungsabfall festgestellt.

Eher im Gegenteil im Vergleich zu meinem früheren SRAM-Setup. Mit den SRAM hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Bremse bei erhitzten Scheiben an Wirkung verliert. Mit den Galfer habe ich dieses Nachlassen nicht gespürt. Die Bremsleistung blieb auf meinen Standardstrecken konstant.

Für sehr fordernden Hochgebirgseinsatz mit langen Abfahrten, hohem Fahrergewicht und wiederholten Vollbremsungen kann ich kein abschließendes Urteil geben. Auf meinem Terrain war Hitze jedoch kein Problem.

Gewicht und Preis: echte Argumente gegenüber SRAM und Shimano

Die Galfer Wave Center-Lock in 160 mm ist mit rund 98 g angegeben. Das ist leicht. Zum Vergleich: In derselben Größe wiegt eine SRAM Paceline Center-Lock etwa 150 g, eine SRAM CenterLine X Center-Lock ca. 119 g, und eine Shimano Dura-Ace RT-CL900 Center-Lock rund 114 g.

Man kauft nicht nur wegen ein paar Gramm oder etwas Optik eine Scheibe. Aber wenn die Bremse besser wird, die Vibrationen verschwinden und das Gewicht sinkt, wird das Argument stark.

Beim Preis liegt man bei etwa 45 € pro Scheibe. Das bewegt sich grob auf Höhe einer SRAM CenterLine X Center-Lock, ist etwas günstiger als eine Shimano Dura-Ace und etwas teurer als eine Shimano Ultegra. Die Positionierung ist also logisch – nicht billig, aber stimmig im Wettbewerbsumfeld.

Auch das Design zählt, selbst bei einem technischen Bauteil

Eine Bremsscheibe ist in erster Linie funktional, aber ihre Form verändert die Anmutung eines Rads deutlich. Die Galfer Wave haben eine starke visuelle Identität, die sich von braveren Scheiben absetzt.

Das ist spannend, weil Straßenrad und Gravel optisch oft stark kodifiziert sind. Ein Paar Scheiben kann dem Aufbau eine kleine Handschrift geben, ohne in bloßes Zubehör abzudriften. 

Das ist nicht jedermanns Sache. Das Design ist sichtbar, eigenständig, weniger zurückhaltend als eine klassische Shimano- oder SRAM-Scheibe. An einem sehr puristischen Rad kann es sogar zu präsent wirken. Wenn Ihnen technische Ästhetik zusagt, haben die Galfer aber definitiv etwas.

Grenzen, die man im Kopf behalten sollte

Der erste Punkt ist der Lieferzustand. Eine verzogene Scheibe zu erhalten, ist nie trivial. Auch wenn sich ein Schlag richten lässt, nicht jede oder jeder hat Werkzeug, Routine oder Lust, ein Neuteil zu korrigieren.

Der zweite Punkt ist das Geräusch bei Regen. Im Trockenen unauffällig. Im Nassen fand ich den Pegel hoch, höher als bei meinen früheren SRAM-Scheiben. Kein komplettes K.o.-Kriterium, aber eine echte Nutzungseinschränkung.

Für wen ergeben diese Galfer-Scheiben wirklich Sinn?

Empfehlen würde ich sie vor allem denen, die eine Resonanz durch halbschwimmende Scheiben an sehr steifen Carbon-Laufrädern eliminieren wollen oder ein bissigeres Bremsverhalten suchen, ohne auf ein allzu aggressives Setup zu wechseln. In meinem Fall war der Gewinn unmittelbar und sehr konkret.

Sinnvoll sind sie auch für einen Aufbau, bei dem Gewicht zählt, ohne in exotische Teile abzurutschen. Mit 98 g pro 160-mm-Scheibe und rund 45 € ist der Kompromiss attraktiv.

Wenn Sie hingegen oft im Regen fahren, ein tadelloses Produkt direkt aus der Verpackung erwarten und keinerlei Werkzeug haben, um eine verzogene Scheibe zu richten, sollten Sie vorsichtiger sein.

Mein Fazit zu den Galfer-Bremsscheiben

Die Galfer-Scheiben haben genau das Problem gelöst, für das ich sie montiert habe: Ich habe beim Bremsen an meinen sehr steifen Carbon-Laufrädern keinerlei Resonanz mehr. Die Bremse legt zudem an Biss zu, das Gewicht ist sehr gut, und das Einbremsen ging leichter als erwartet.

Perfekt ist nicht alles. Eine verzogen gelieferte Scheibe und deutliches Geräusch im Regen… das wiegt, gerade bei einem so sensiblen Bauteil wie der Bremse.

Wenn sie jedoch montiert, eingebremst und sauber ausgerichtet sind, vermitteln diese Scheiben echte Kontrolle. Nicht spektakulär. Einfach klarer und vertrauenerweckender. Und manchmal ist das genau das, was man von einer guten Bremsscheibe erwartet.

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