Ein Carbon-Cockpit für 750 €, mit vielen Fahrrädern kompatibel, mit verstellbarem Reach und gedacht sowohl für den schnellen Straßeneinsatz als auch für anspruchsvolles Gravel – das fällt zwangsläufig auf.
Als Fara letztes Jahr sein neues Gravelbike vorgestellt hat, hat mich nicht nur das Rad neugierig gemacht. Vor allem dieses Cockpit. Seine Form, der modulare Ansatz und dieses für einen integrierten Lenker-Vorbau-Verbund eher seltene Versprechen: den Reach um 10 mm zu verstellen, ohne den gesamten Cockpitbereich zu tauschen.
Stärken:
- Sehr gelungene Ergonomie in mehreren Griffpositionen
- Seltene Reach-Verstellung an einem integrierten Cockpit
- Breite Kompatibilität mit 1 1/8 Zoll Gabelschäften
Verbesserungswürdig
- GPS-Halterung trotz des Preises nicht inbegriffen
- Insgesamt hoher Preis
Nach mehreren Monaten Austausch mit der norwegischen Marke habe ich schließlich ein Exemplar in matter Ausführung erhalten. Es gibt auch eine schwarz-transparente Version. Für diesen Test habe ich es an meinem Rose Backroad FF montiert, dem stimmigsten und kompatibelsten Rad, das ich zur Hand hatte, um dieses Cockpit im echten, schnellen Gravel- (und Straßen-)Einsatz zu beurteilen.
Ein Carbon-Cockpit, das nicht nur auf Optik setzt
Das Fara Modular Cockpit ist nicht einfach ein weiterer integrierter Lenker. Seine Konstruktion basiert auf einer flachen Schnittstelle zwischen Lenker und Vorbau, die mit vier Schrauben geklemmt wird. Diese Montage ermöglicht Fara, zwei Positionen anzubieten, wobei der Reach je nach gewählter Ausrichtung um 10 mm nach vorn oder nach hinten variiert.
In der Praxis ergibt das recht großzügige Abmessungen: vier Breiten, an den Hoods gemessen, in 360, 385, 415 und 440 mm, dazu mehrere äquivalente Vorbaulängen in 8-9 cm, 10-11 cm und 12-13 cm. Die schmaleren Lenker zielen auf Performance mit geringerem Winkel, während die größeren Breiten stärker ausgestellt sind und so für abenteuerorientierten Einsatz oder mehr Kontrolle ausgelegt sind.
Die Form ist deutlich ausgeprägt. Der Oberlenker kommt mit leichtem Backsweep und einer Neigung etwas zum Fahrer zurück, was eine natürlichere Handhaltung fördern soll. So etwas kann schnell störend werden, wenn es schlecht gestaltet ist. Hier ist es gut gelöst.
Die Reach-Verstellung: Spielerei oder wirklich gute Idee?
Vor dem Aufbau war ich skeptisch. Bei einem integrierten Cockpit stehen meist Optik, Steifigkeit und die Kabelführung im Vordergrund. Eine Reach-Verstellung ist origineller, aber man muss sich fragen, wem das wirklich nützt.
Wenn eure Position bereits perfekt passt und ihr genau wisst, welche Vorbaulänge euch liegt, ist der Mehrwert begrenzt. Man stellt einmal ein und vergisst es dann.
In zwei Fällen wird diese Modularität interessanter. Erstens, wenn ihr zwischen zwei Längen schwankt. Zweitens, wenn ihr Auflieger verwendet. Durch das Verkürzen des Reach lässt sich eine etwas weniger gestreckte Position erreichen, ohne alles über die Extensions kompensieren zu müssen. Fara bietet für dieses Cockpit übrigens eigene Carbon-Auflieger an, ich habe sie jedoch nicht getestet.
Kompatibilität: auf dem Papier breit, im Detail zu prüfen
Fara gibt eine Kompatibilität mit Fahrrädern mit einem Standard-Gabelschaft 1 1/8 Zoll, also 28,6 mm an. Das ist eine gute Nachricht, denn so verlässt das Cockpit das geschlossene Ökosystem der Marke.
Man sollte aber das Kleingedruckte lesen. Das Cockpit ist für elektronische Schaltgruppen optimiert. Fara präzisiert, dass das Produkt für diesen Typ Gruppe gedacht ist, unter anderem wegen der internen Führung von Zügen und Leitungen. Bei mechanischer Schaltung würde ich nicht ohne gründliche Prüfung loslegen.
Noch ein Punkt: Je nach Rad kann ein Umrüst-Kit für den Steuersatz erforderlich sein. Bei Fara wird dieses Token S-Box-auf-A-Box-Kit separat verkauft. In meinem Fall habe ich dieses Kit ebenso wenig erhalten wie die integrierte GPS-Halterung. Und das ist schade. In dieser Preisklasse hätte ich mir wirklich gewünscht, dass die GPS-Halterung enthalten ist.
Montage am Rose Backroad FF: einfacher als gedacht
Der Rose Backroad FF bot bereits den Vorteil eines recht aufgeräumten Cockpits mit stimmiger Integration. Die Montage des Fara Modular Cockpit geriet nicht zum endlosen Projekt – bei dieser Art Produkt bereits eine positive Überraschung.
Die originalen Spacer des Rose passten recht gut zum Fara-Cockpit. Das Ergebnis ist sauber, besonders mit wenigen verbleibenden Spacer unter dem Vorbau. An einem Rad mit hoher Spacer-Stapelhöhe könnte die Optik weniger harmonisch wirken. Hier passt es.
Auf dem Rad: viele Positionen, keine davon erzwungen
In diesem Punkt hat mich das Cockpit am meisten überzeugt. Die Haptik ist sehr angenehm, mit mehreren Griffpositionen, die ganz natürlich in die Hand fallen.
Im Unterlenker ist der Lenker komfortabel und vermittelt eine stabile Rückmeldung. An den Hoods ist der Griff gut, ohne dass man nach der richtigen Position suchen muss. Und oben am Lenker – wo ich bei nach hinten gezogenen Formen oft kritischer bin – habe ich meinen Platz schließlich ziemlich schnell gefunden.
Auf Gravel-Passagen, auf denen man Kontrolle behalten muss, hilft diese Form, die Hände entspannter aufzulegen, ohne das Gefühl zu verlieren, das Rad fest im Griff zu haben. Es geht nicht nur um statischen Komfort. Die Cockpit-Form lädt dazu ein, die Ellbogen leicht heranzuziehen, sich zu stabilisieren und den Oberkörper zu beruhigen. Subtil, aber spürbar.
Ich kann den Anteil von Carbon, Form oder der Montage am Backroad FF nicht exakt isolieren. In Summe fühlt sich das Set souverän an – steif, wenn es sein muss, ohne in den Händen ruppig zu wirken.
Ein schönes Teil, aber kein rationaler Kauf für alle
Bei rund 750 € inklusive Steuern und Zoll für Europa ist das Fara Modular Cockpit ein teures Produkt. Die GPS-Halterung kostet extra, etwa 48 €, die spezifischen Auflieger schlagen zusätzlich zu Buche, und manche Aufbauten können ein Umrüst-Kit erfordern.
Machen wir uns nichts vor: Für die Mehrheit der Radsportler ist das kein vorrangiges Upgrade. Wenn es nur darum geht, den Komfort zu verbessern oder ein paar Millimeter Einstellweg zu gewinnen, gibt es günstigere Lösungen.
Dieses Cockpit richtet sich an ein recht genaues Publikum: an alle, die einen markanten, hochwertig verarbeiteten Lenker-Vorbau-Verbund wollen, mit echter ergonomischer Überlegung und einer bei integrierten Sets seltenen Einstellmöglichkeit. An einem High-End-Aufbau, Road-Allroad oder Gravel-Race, ergibt das Sinn. An einem eher utilitaristischen Rad oder bei knappem Budget deutlich weniger.
Mein Fazit nach Aufbau und im Einsatz
Das Fara Modular Cockpit ist ein Nischenprodukt, aber kein Gimmick. Seine Reach-Verstellung wird nicht jedem das Leben verändern, sie bringt jedoch in bestimmten Aufbauten echte Flexibilität. Seine Form hat mich noch stärker beeindruckt: Die Hände finden ganz natürlich ihren Platz, auch auf dem Oberlenker – obwohl solche Designs schnell polarisieren können.
Sein Hauptnachteil ist nicht das Konzept, sondern der Preis und die Tatsache, dass einige für eine vollständige Integration wesentliche Elemente Aufpreis kosten.
Wenn ihr das beste Effizienz-zu-Preis-Verhältnis sucht, seid ihr hier falsch. Wenn ihr schöne Builds, sehr aufgeräumte Cockpits und etwas andere Lösungen mögt, hat dieses Fara-Cockpit echte Argumente. Teuer, ja. Aber nicht nur dekorativ.