Der Suunto Wing 2 startet in einem bereits gut besetzten Feld: Sport-Knochenleitungskopfhörer. Ein Produkt, das in der Fahrradwelt ein wenig aus dem Rahmen fällt, weil es zwei sensible Themen berührt: beim Fahren Audio hören und zugleich genug vom Verkehr und der Umgebung mitbekommen.
Ich fahre seit einiger Zeit mit dieser Art Kopfhörer und habe den Wing 2 zuletzt intensiv genutzt: Musik, Podcasts, Anrufe, Wind, Bedienung während der Fahrt, Akku bis zum Ende leerfahren. Ziemlich schnell blieb ein zweigeteilter Eindruck: sehr gut in der Basisnutzung, deutlich weniger überzeugend bei der Zuverlässigkeit von Bedienung und Verbindung.
Stärken:
- Gute Wahrnehmung der Umgebung
- Solide Akkulaufzeit
- Anrufe und Audio trotz Wind gut hörbar
- Einwandfreie Stabilität während der Fahrt
Verbesserungswürdig
- Häufige Verbindungsabbrüche bei bestimmten Ausfahrten
- Akkustandswarnung kommt zu spät
- Bedienung teils unpräzise
Leicht, stabil und gut fürs Radfahren geeignet
Mit seinen 35 g ist der Suunto Wing 2 am Kopf schnell vergessen. Der Nackenbügel ist für Knochenleitungskopfhörer klassisch, mit einer laut Suunto aus Silikon und Titanlegierung bestehenden Struktur. Suunto erfindet das Rad nicht neu, das Ganze ist sauber, stabil und vor allem für längeren sportlichen Einsatz geeignet.
Einmal aufgesetzt, verrutscht der Kopfhörer nicht. Das ist auf dem Rad wichtig, wo Helm, Brille, Haltungswechsel und Vibrationen zusammenkommen. Ich hatte nie das Gefühl, dass hinter dem Kopf etwas herumschwebt oder sich bei der kleinsten Bewegung verschiebt.
Auch die Reinigung ist einfach. Bei einem mit IP66 angegebenen Produkt – also schweiß-, wasser- und staubresistent – ist das genau das, was man erwartet: heimkommen, kurz abwischen, verstauen, ohne den Eindruck, ein fragiles Zubehörteil zu handhaben.
Knochenleitung macht ihren Job: hören, ohne sich zu isolieren
Das ist der gelungenste Punkt des Suunto Wing 2. Selbst bei ordentlich Wind behielt ich eine gute Wahrnehmung der Umgebung. Man hört Autos, Umgebungsgeräusche, Stimmungswechsel. Auf der Straße wie auf Wegen – das ist die Grundlage.
Anders als bei manchen Modellen, bei denen man die Lautstärke sofort stark aufdrehen muss, sobald der Wind zunimmt, musste ich den Wing 2 nicht auf Maximum stellen. Bei einer Ausfahrt mit heftigen Böen blieb der Klang ausreichend präsent, um Musik oder einen Podcast zu verfolgen, ohne die Ohren vor der Außenwelt zu verschließen.
Das ist auch der Grund, warum Knochenleitung für lange Ausfahrten interessant ist. Wir haben das Thema bereits im Test des Nank Runner Diver2 Pro angesprochen: Es ist keine audiophile Lösung, aber eine recht clevere Art, dem Radfahren Ton hinzuzufügen, ohne sich in eine Blase zu begeben.
Und was sagt das Gesetz?
Seit 2015 verbietet der französische Code de la route dem Fahrer eines Fahrzeugs im Verkehr – auch Radfahrende eingeschlossen – jedes am Ohr getragene Gerät, das Ton wiedergeben kann. Der Verstoß ist eine Ordnungswidrigkeit der 4. Klasse und wird mit einem pauschalen Bußgeld von 135 € geahndet.
👉 Knochenleitungs- oder „Open-Ear“-Kopfhörer sind davon nicht ausgenommen.
2017 wurde der Conseil d’État auf Antrag von AfterShokz, heute Shokz, damit befasst. Er bestätigte, dass das Verbot auch für ein Gerät gilt, das den Gehörgang frei lässt, den Ton aber per Knochenleitung über den Schädel überträgt.
👉 In Frankreich ist die Nutzung eines Knochenleitungskopfhörers auf dem Rad daher als verboten anzusehen, auch wenn dieser Produkttyp die Umgebung besser hörbar macht als klassische Audiokopfhörer.
💡 Das mag aus Sicht von Nutzung und Sicherheit paradox erscheinen, rechtlich ist die Lage heute jedoch recht klar.
Guter Klang für Podcasts, bei Musik okay, bei Anrufen etwas schwächer
Bei Stimmen schlägt sich der Wing 2 sehr gut. Ich habe einen Podcast mit mehreren Sprecherinnen und Sprechern gehört – unter Bedingungen, unter denen man sonst schnell an Verständlichkeit verliert. Hier blieben die Stimmen klar, gut hörbar, und ich musste trotz etwas Wind die Lautstärke nicht voll aufdrehen.
Auch Telefonate funktionieren ordentlich. Nur ein Gesprächspartner teilte mir bei einer sehr windigen Ausfahrt mit, dass er mich nicht besonders gut höre. Insofern ist das an diesem Punkt etwas variabler. Insgesamt ist das Ergebnis sauber genug, um unterwegs einen Anruf anzunehmen oder ein kurzes Gespräch zu führen.
Bei Musik trat gelegentlich eine Art leichtes Knistern auf, das den Hörspaß schmälert. Das hängt vom Musikstil ab. Unbenutzbar ist es deshalb nicht. Aber bei 169 € erwartet man eine kontrolliertere Wiedergabe – selbst wenn man die natürlichen Grenzen der Knochenleitung akzeptiert.
Vertraute Bedienung, aber nicht immer präzise
Die Ergonomie folgt einem Ansatz, der dem von Shokz recht ähnlich ist. Links gibt es eine Taste für Wiedergabe, Pause und Titelsprung. Rechts dient eine längere Taste zum Einschalten, zur Lautstärke, zum Koppeln und zum Ausschalten per langem Druck.
Das Koppeln geht schnell, auch beim ersten Start. In dieser Hinsicht gibt es nichts zu bemängeln: Die Verbindung steht zügig, reibungslos, und das Erlebnis startet gut.
Allerdings spielten mir die Bedienelemente gelegentlich Streiche. Die linke Taste erzeugt beim Drücken ein deutlich hörbares Knacken. Das ist vielleicht beabsichtigt, vielleicht mechanisch bedingt; mir gefiel die unauffälligere Lösung von Shokz an dieser Stelle besser. Vor allem hatte ich Fehldetektionen beim Doppelklick: Statt zum nächsten Song zu springen, interpretieren die Hörer die Aktion manchmal als Pause.
Der Sprung zum vorherigen Titel funktionierte in meinem Gebrauch nicht zuverlässig. Und wenn ein neues Produkt bei solch einfachen Gesten schon ungenau ist, nimmt das etwas Vertrauen.
Bewegungssteuerung: gute Idee, sehr empfindlich
Suunto ergänzt eine Steuerung über Kopfbewegungen. In der Idee ist das verlockend: die Hände am Lenker lassen und bestimmte Aktionen ausführen, ohne nach einer Taste zu suchen – besonders mit Handschuhen oder in Situationen, in denen man konzentriert bleiben will.
In der Praxis funktioniert das. Man muss seine Bewegungen jedoch ziemlich diszipliniert ausführen. Ist die Option aktiviert, sollte man den Kopf nicht zu weit drehen oder sich zu sehr von der Musik mitreißen lassen. Andernfalls können Befehle ausgelöst werden oder die Nutzung wird gestört.
Ich habe zudem merkwürdige Verhaltensweisen bemerkt, wenn ich nach der Bewegungssteuerung wieder über die Tasten bedient habe. Nichts Dramatisches bei jeder Ausfahrt, aber häufig genug, um mich an der Software-Reife des Systems zweifeln zu lassen.
Das eigentliche Problem: Aussetzer und Verbindungsabbrüche
Das wiegt in meinem Fazit am schwersten. Ich hatte bei mehreren Ausfahrten Aussetzer, teils häufige Verbindungsabbrüche. Bei einem sportlichen Audiozubehör ist das wirklich lästig.
Einen etwas schlechteren Klang kann man akzeptieren, wenn das Produkt stabil, praktisch und vertrauenerweckend ist. Unvollkommene Bedienelemente – daran gewöhnt man sich vielleicht. Wiederholte Aussetzer zerstören jedoch das Nutzungserlebnis. Besonders wenn das Produkt auf lange Ausfahrten, Training und Abenteuer zielt, bei denen man das Material eigentlich vergessen möchte.
Ich bleibe vorsichtig: Es wird sich zeigen, ob Software-Updates einen Teil des Problems beheben. Der Wing 2 ist mit der Suunto-App und Cloud-Updates kompatibel, es gibt also Entwicklungsspielraum. Im Stand meines Tests ist jedoch die Bluetooth-Stabilität mit einem iPhone 17 nicht auf dem erwarteten Niveau.
Akku: 10 Stunden sind drin, die Warnung kommt jedoch zu spät
Suunto gibt bis zu 12 Stunden Laufzeit an, mit einer präziseren technischen Angabe von 10 Stunden Musik unter bestimmten Hörbedingungen. Bei mir sind die realen 12 Stunden bestätigt. Das ist solide fürs Radfahren, Training oder einen aktiven Tag.
Der mitgelieferte Zusatzakku bringt für lange Einsätze echten Mehrwert. Suunto nennt bis zu 30 Stunden mit dem Zusatzakku, Laden via USB-C und eine Schnellladung in 5 Minuten.
Es gibt jedoch ein deutlich misslungenes Detail: die Warnung bei niedrigem Akkustand. In meinem Gebrauch meldet sich der Kopfhörer … und schaltet sich dann etwa 30 Sekunden später aus. Die Information kommt also zu spät.
LEDs, Suunto-App und Connected-Funktionen: nützlich, aber zweitrangig
Der Wing 2 integriert außerdem LEDs, die die Sichtbarkeit verbessern sollen. Sie lassen sich über die Suunto-App steuern, mit sportbezogenen Modi, insbesondere Laufen und Radfahren. Das ist eine zusätzliche Sicherheitskomponente, auch wenn ich das nicht als Ersatz für eine echte Beleuchtung betrachte.
Die Integration ins Suunto-Ökosystem ist auf dem Papier interessant: Audio-Personalisierung, LED-Einstellungen, Updates, Verbindung zu einer Suunto-Uhr, um Leistungsinformationen in Echtzeit aufs Ohr zu bekommen. Für Nutzerinnen und Nutzer, die bereits im Suunto-Universum unterwegs sind, ergibt das mehr Sinn.
Für alle anderen bleibt es ein Bonus. Der Kern des Produkts, auf dem Rad, bleibt simpel: hören, aufmerksam bleiben, die Bedienung steuern, ohne den Faden der Ausfahrt zu verlieren.
Im Vergleich zu Shokz hat Suunto Argumente, muss aber noch Details nachschärfen
Der Vergleich mit Shokz lässt sich kaum vermeiden. Die Nutzererfahrung des Wing 2 kommt ihr sehr nahe, bis hin zur Logik der Tasten. Suunto ergänzt den Zusatzakku, LEDs, das Uhren- und App-Ökosystem und eine sehr ordentliche Laufzeit.
Shokz behält in meinen Augen jedoch einen Vorteil beim Gefühl des ausgereiften Produkts: unauffälligere Bedienelemente, saubererer Klang, insgesamt flüssigerer Gebrauch. Der Suunto Wing 2 wirkt bisweilen etwas unausgereift.
Schade, denn die Basis stimmt. Sitzstabilität am Kopf, Wahrnehmung der Umgebung, reale Laufzeit und die Sprachverständlichkeit funktionieren. Doch Verbindungsabbrüche und ungenaue Bedienung schmälern ein Erlebnis, das deutlich überzeugender hätte sein können.
Mein Fazit zum Suunto Wing 2
Empfehlen würde ich ihn vor allem einer Radfahrerin oder einem Radfahrer, die oder der bereits im Suunto-Universum zuhause ist, oder jemandem, der einen soliden, leichten, widerstandsfähigen Knochenleitungskopfhörer mit Zusatzakku und guter Laufzeit sucht.
Er ergibt auch Sinn für alle, die hauptsächlich Podcasts, Sprachhinweise oder kurze Telefonate hören. Für diesen Einsatz ist der Wing 2 überzeugender als für reine Musikwiedergabe.
Wenn eure Priorität hingegen Klangqualität, präzise Bedienung und eine vollkommen stabile Verbindung sind, ist eher Vorsicht angesagt. Der Wing 2 ist kein Fehlgriff. Er ist stellenweise sogar ausgesprochen interessant. Aber auf diesem Preisniveau sind einige Bugs keine Nebensächlichkeiten mehr.
Der Suunto Wing 2 beherrscht das Wichtigste, um auf dem Rad nicht isoliert zu sein. Ihm fehlt noch die Zuverlässigkeit, die aus einem guten Sport-Accessoire einen Begleiter macht, den man nicht mehr in Frage stellt.