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Test Cube Agree C:62 SLT MY27: Endurance mit Biss

Ein Endurance-Rennrad steht längst nicht mehr automatisch für runde Rohre, sehr aufrechte Sitzposition und gutmütiges Fahrverhalten. Das neue Cube Agree C:62 ist ein gutes Beispiel: optisch nah am Race-Bike, hochwertig ausgestattet und klar mit Blick auf Aerodynamik entwickelt, will es trotzdem auf langen Distanzen angenehm bleiben.

Wir konnten es noch vor der offiziellen Präsentation exklusiv für Frankreich testen. Nach mehreren Ausfahrten damit bleibt vor allem diese Dualität: ein stabiles und komfortables Rad, dabei ausreichend steif und dynamisch, sodass man nie das Gefühl hat, der Straße ausgeliefert zu sein oder bremsen zu müssen.

Unser Kurzfazit 👇

Stärken:

Verbesserungswürdig

Ein fester Platz in der Cube-Palette

Stellen wir dieses Modell zunächst in den Kontext seiner Geschwister: Das Agree steht direkt über dem Attain (das andere Endurance-Modell, das noch stärker auf Komfort, entspannte lange Ausfahrten und eine aufrechtere Position setzt) und unterhalb der Litening AIR und AERO (die echten Wettkampfräder der Marke).

Das Agree ist komfortabler und weniger kompromisslos als ein Litening, aber deutlich sportlicher als ein sehr aufrecht abgestimmtes Endurance. Seine Geometrie bietet etwas mehr Höhe, ohne das Gefühl eines hoch aufragenden oder von der Straße entkoppelten Rads zu vermitteln.

🚀 2 Dinge, die man wissen sollte:

  • Carbon-Laufräder, Carbon-Cockpit und elektronische Schaltung bereits ab dem Einstieg (ONE – 2.999 €)

  • Leistungsmesser ab EX-Ausstattung (3.199 €)

Ein Endurance mit echter Aero-DNA

Optisch spielt das Agree nicht die Karte runder, sanfter, beruhigender Rohre. Der C:62-Rahmen setzt recht ausgeprägte Profile ein, vor allem vorne rund um das Steuerrohr, das Unterrohr und den Hinterbau. Die schlanken, abgesenkten Sitzstreben verstärken den Eindruck eines sportlicheren statt rein entspannenden Rads.

Cube nennt ein neues Rahmenset, das 150 g leichter als die vorige Generation ist, sowie einen aerodynamischen Vorteil von 10 W, mit direkter Inspiration vom neuen Litening AERO. Das sind Herstellerangaben, die man entsprechend einordnen sollte. Auf der Straße spürt man jedoch die Absicht: Dieses Rad wurde nicht als bloß komfortabler Rahmen konzipiert, dem man schöne Laufräder spendiert hat.

Vorn ist beim SLT die Kabelführung integriert, das Cockpit wirkt aufgeräumt und modern. Insgesamt steht hier ein Rad, das sein „Endurance Race“-Selbstverständnis zeigt, ohne in die visuelle Aggressivität eines reinen Aero-Bikes zu kippen.

Wunderschöner Lack, aber nicht makellos

Die SLT-Ausführung greift den Geist der Farbgebung des Agree SLT 2026 (hier unser Test der vorherigen Generation) teilweise auf, mit ähnlichen Nuancen und diesem kleinen Chamäleon-Effekt, der je nach Licht Grün, Türkis oder Blau erkennen lässt. Der Lack ist hier jedoch aufwendiger gestaltet, mit matter Anmutung statt glänzend und verschiedenen Texturen. Es ist nicht exakt das gleiche Finish, aber die visuelle Inspiration ist eindeutig verwandt.

Bei genauem Hinsehen ist jedoch nicht alles makellos. Mir sind ein paar kleine Bläschen oder Unregelmäßigkeiten aufgefallen, insbesondere rund ums Steuerrohr und im Tretlagerbereich. Cube ist in diesem Segment preislich besonders offensiv, und vielleicht zeigt sich ein Teil des Unterschieds genau bei solchen Details. Insgesamt wirkt der Lack sehr schön und aufwendig, auch wenn das Finish nicht perfekt ist.

Sehr stimmige Newmen-Laufräder zum Rad

Die SLT-Ausstattung kommt mit Carbon-Laufrädern Newmen Streem Allround mit unterschiedlichen Felgenhöhen: 49 mm vorn und 54 mm hinten. Das passt sehr gut zum Charakter des Rads. Man gewinnt an aerodynamischer Präsenz, optisch wie dynamisch, ohne in zu fordernde Laufräder für den Endurance-Einsatz abzurutschen.

Es ist nicht die Version mit Vonoa-Carbon-Speichen, sondern mit Standardspeichen. Bei einem Rad dieses Typs finde ich das fast logischer. Seitliche Stabilität und der Eindruck eines seriösen Laufrads bleiben sehr gut erhalten, ohne das Gesamtsystem unnötig zu verhärten.

Auf der Straße geben diese Laufräder dem Rad Halt. Sie tragen zu dem Eindruck bei, dass das Rad gut vorwärtsgeht, sich beim Antritt nicht verwindet und in schnellen Passagen satt auf der Straße liegt.

Mit den Continental GP5000 S TR in 30 mm ist die Balance sehr gelungen. Dieser Reifen bleibt eine Referenz beim Rollwiderstand, bringt in 30 mm aber auch den Komfortzuschlag, den man auf einem Rad für lange Distanzen erwartet. Nicht spektakulär, aber stimmig und modern.

Der neue Rahmen bietet offiziell bis zu 36 mm Reifenfreiheit. Das ist wirklich interessant: mehr Komfort, mehr Grip und die Möglichkeit, das Rad an schlechtere Straßen anzupassen, ohne die Kategorie zu wechseln.

Shimano Dura-Ace und einseitiger Leistungsmesser

Die SLT-Ausführung greift bei der Gruppe sehr hoch zu, mit Shimano Dura-Ace Di2 in 12-fach. Die Kettenblätter 50/34 passen gut zur Philosophie des Rads: auf der Ebene schnell fahren, aber Reserven für lange Anstiege behalten.

Hinten ist die Ausstattung klar auf Endurance ausgerichtet, mit einer 11-34-Kassette. Die Abstufung geht in jedem Fall in die richtige Richtung für ein Rad, das für lange Ausfahrten und Jedermannrennen gedacht ist.

Der Leistungsmesser auf einer Seite (linke Kurbel) ist eine stimmige Wahl für ein Endurance-Rad. Über mehrere Stunden helfen Wattwerte, die Belastung besser zu steuern, Fehlstarts zu vermeiden und Anstiege gleichmäßiger zu fahren. Das ist jedoch eine Ausstattung, die einer bestimmten Preisstufe vorbehalten bleibt, darunter der SLT-Reihe.

Cube setzt allerdings auf einen einseitigen Sensor und nicht auf eine beidseitige Messung. Das ist weniger umfassend, aber auch wirtschaftlicher und trägt vermutlich dazu bei, den Preis des Rads trotz sehr hochwertiger Ausstattung auf einem relativ moderaten Niveau zu halten.

Die neue Rahmengeneration setzt zudem auf ein UDH-Schaltauge, einen moderneren Standard, der sich im Bedarfsfall leichter ersetzen lässt.

Ein ästhetisches, komfortables Cockpit

Die Ergonomie des Cockpits ist komfortabel, das Design sehr sauber, und die Integration verleiht dem Rad eine hohe wahrgenommene Qualität. Ich habe keine störenden Druckpunkte oder Unbequemlichkeiten verspürt.

Cube nennt zudem eine offenere Kompatibilität mit verschiedenen Setups. Das ist wichtig, denn ein Endurance-Rad muss sich an verschiedene Körperbauten und Positionsvorlieben anpassen lassen. Integration darf kein Gefängnis werden.

Ein weiterer Pluspunkt: Integrierte Cube-Cockpits bleiben im Marktvergleich relativ erschwinglich.
Sie kosten um 300 € (immer noch eine Summe), gehören aber zu den günstigeren Lösungen dieser Kategorie. Das ist angenehm, wenn man nach einem Sturz ersetzen oder schlicht Breite bzw. Vorbaulänge wechseln muss, ohne dass die Aktion zur unverhältnismäßigen Ausgabe wird.

Die integrierte ACID-Tasche: gute Idee, echte Einschränkung in kleinen Größen

Das Cube Agree MY27 wird mit einer neuen aerodynamischen Rahmentasche geliefert, die direkt an den dafür vorgesehenen Inserts befestigt ist. Das ist ein echter Pluspunkt: Eine integrierte Staulösung ab Werk ist immer willkommen, besonders bei einem Rad dieser Preisklasse. Die Tasche fügt sich sauber in den Rahmen ein, bietet mehr Volumen als eine kleine Satteltasche und erlaubt es, Reifenheber, Minipumpe oder Verpflegung bequem mitzunehmen.

Diese neue Generation ist optisch etwas präsenter als die alte, da sie weiter aus dem Rahmen herausragt, wurde aber auch stärker unter aerodynamischen Gesichtspunkten entwickelt.

Bei kleinen Größen muss man eine recht typische Einschränkung im Blick behalten: Der Platz um die Trinkflasche wird knapp. An meinem Exemplar in XS war der Zugriff mit einem Standard-Flaschenhalter schwierig. In diesem Fall wird ein Flaschenhalter mit seitlicher Entnahme nahezu unverzichtbar, um unterwegs gut heranzukommen.

Auf der Straße: stabil und komfortabel, ohne schwammig zu werden

Das Fahrverhalten ist vermutlich sein stärkstes Argument. Das Agree ist stabil, komfortabel, gelassen, aber es schläft nicht ein. Genau diese Grenze zu halten, ist bei einem modernen Endurance entscheidend.

Auf langen, gleichmäßigen Passagen animiert es dazu, das Tempo zu halten. Die Laufräder geben Stabilität, die Reifen filtern genau richtig, und der Rahmen vermittelt nicht die gefürchtete Weichheit rund ums Tretlager, die man bei zu komfortorientierten Rädern manchmal spürt.

Beim Wiegetritt oder nach einem Antritt reagiert es ordentlich. Es hat nicht die Nervosität eines sehr leichten Rennrads, und das behauptet es auch nicht. Aber die Energie verschwindet nicht im Rahmen. Das Rad bleibt lebendig.

Dieser Eindruck ist wichtig, weil er erklärt, warum das Agree auch Radfahrer anspricht, die von sportlicheren Rädern kommen. Man fällt gefühlsmäßig nicht brutal eine Kategorie tiefer. Man akzeptiert etwas weniger Radikalität und gewinnt dafür an Nutzung, Komfort und Vielseitigkeit.

Am Berg versteckt er sich nicht hinter dem Etikett Endurance

Das angegebene Gewicht (in der SLT-Version) liegt laut Marke bei rund 7,6 kg. Das ist nicht das leichteste Rad am Markt, selbst mit Carbon-Rahmen, Carbon-Cockpit und hochwertiger Ausstattung. Das muss man sagen.

Am Berg empfand ich es dennoch nicht als hinderlich. Die Übersetzung hilft, die Laufräder wirken nicht träge, und das Rad lässt sich ohne permanente Konzentration bewegen. Es steigt mit Ernsthaftigkeit, ohne jene Härte, die auf langen Anstiegen ermüdet.

Im Anstieg hilft 50/34, die Kadenz zu bewahren. Auf einer langen Ausfahrt ist das oft nützlicher als eine auf dem Datenblatt schmeichelnde Entfaltung. Der Leistungsmesser verstärkt diese Logik des Pacing zusätzlich.

Für sehr kräftige Fahrer oder alle, die eine rennorientierte Maschine wollen, fehlt etwas Schärfe. Für langes Fahren funktioniert der Kompromiss jedoch wirklich gut.

In der Abfahrt: stabil und vertrauenerweckend

Ich bin das Agree in einer kleineren Größe gefahren, als ich üblicherweise nutze. Das ist ein guter Test, denn ein kleineres, kürzeres Rad kann in der Abfahrt schnell schwerer zu kontrollieren sein, vor allem wenn man mehr Länge und Stabilität gewohnt ist.

Hier hatte ich dieses Gefühl jedoch nie. Das Rad blieb sehr stabil, hält sauber die Linie und schafft schnell Vertrauen in schnellen Passagen. Die Newmen-Laufräder tragen mit guter Seitenstabilität und sehr ruhigem Verhalten ebenfalls dazu bei.

Auch die 30-mm-Reifen spielen ihre Rolle. Sie geben mehr Reserve, Grip und Komfort, wenn die Straße schlechter wird. Für mich ist das eine ideale Breite für diesen Radtyp: performant, aber toleranter als 28 mm auf einem langen Tag.

Im Vergleich zu anderen schnellen Endurance-Rädern

Das Agree lässt sich natürlich mit Rädern wie dem Canyon Endurace, dem BMC Roadmachine, dem Giant Defy oder dem Cervélo Caledonia vergleichen. Es teilt mit ihnen die Idee eines Rads, das für langes Fahren gemacht ist, ohne die Performance völlig zu opfern.

Die Nuance: Das Cube tendiert klar in Richtung sportlich. Es zielt weniger auf maximalen Komfort oder sehr breite Vielseitigkeit, ist dafür näher an einem schnellen Allround-Rennrad.

Ein weiteres Cube-Argument bleibt die Ausstattung im Verhältnis zum Preis. Das C:62 SLT, angekündigt zu 5.399 € mit Dura-Ace Di2, Leistungsmesser, Newmen-Carbon-Laufrädern und GP5000 S Tubeless Ready, ist im aktuellen Marktumfeld sehr offensiv bepreist. Bei vergleichbarer Ausstattung liegen viele Marken deutlich höher.

Das macht das Rad nicht perfekt. Aber es macht seine Positionierung schwer zu ignorieren.

Das Wichtigste zum Cube Agree C:62 SLT

Das Cube Agree C:62 SLT MY27 ist eines jener Räder, die man verstehen sollte, bevor man sie beurteilt. Erwartet man es als klassisch sehr komfortables Endurance, wirkt es vielleicht zu sportlich. Erwartet man es als reinrassiges Rennrad, erscheint es weniger scharf als ein Litening oder ein kompromissloser Allrounder.

Zwischen beidem findet es jedoch seinen Platz. Es fährt schnell, bleibt stabil, filtert ordentlich, klettert ohne zu schleppen und behält Reaktivität. Die Komponenten sind sehr gut gewählt, 30-mm-Reifen passen perfekt zum Einsatz, die Newmen-Laufräder geben Halt, und der Leistungsmesser unterstreicht die Langstrecken-Logik.

Seine Grenzen sind greifbar: ein Gewicht, das in Ordnung, aber nicht herausragend ist, ein Lack, der am Testexemplar nicht völlig perfekt war, und eine integrierte Tasche, die in kleinen Größen den Zugriff zur Flasche erschwert.

Unterm Strich bleibt ein klarer Eindruck: Das Agree ist ein sehr gutes Endurance für alle, die Angst haben, sich auf einem Endurance zu langweilen. Es will die Straße nicht einschläfern. Es ermöglicht schlicht, sie länger im Griff zu behalten.

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