GRAVEL
ROAD

Setup Gravel Burn: Mein Material für 7 Tage Gravel in Südafrika

Morgen stehe ich am Start der Gravel Burn. Sieben Etappen, 750 km, rund 8 500 Hm, eine Durchquerung des Great Karoo in Südafrika und ein Terrain, das ich vor allem aus Berichten, Bildern und den Empfehlungen des Veranstalters kenne.

Heißt: Ich starte mit viel Vorfreude, aber ohne absolute Gewissheit über meine Entscheidungen. Im Gravel gibt es das perfekte Setup fast nie. Entscheiden heißt oft verzichten: auf eine leichtere Übersetzung, auf einen Leistungsmesser, auf einen schnelleren Reifen, auf eine unauffälligere Tasche.

Dieser Beitrag ist also kein endgültiges Urteil. Es ist mein Start-Setup, mit den Gründen hinter jeder Wahl, den bewusst eingegangenen Kompromissen und den Punkten, die mich in ein paar Tagen sehr teuer zu stehen kommen könnten.

Das Rad: ein Berria Naii BR, Race, aber nicht bretthart

Für diese Gravel Burn starte ich auf einem Berria Naï BR, einem Gravel-Race-Bike, das 2025 vorgestellt wurde. Das Rad wurde mir von Materiel-velo.com für die Veranstaltung geliehen, und ich werde nach dem Rennen einen echten Testbericht schreiben – wenn es den nötigen Staub, die Steine und die Kilometer gesammelt hat, um etwas Belastbares erzählen zu können.

Interessant ist, dass dieses Rad klar auf Leistung ausgerichtet bleibt und hinten dennoch ein System integriert, das Stöße leicht filtert. Bei einem Rennen wie diesem ist das kein Detail. Die Gravel Burn ist kein schneller Ausflug auf weißen Wegen: Der Veranstalter spricht von anspruchsvollem, ruppigem Terrain mit langen, sich wiederholenden Tagen. Selbst ein kleiner Zugewinn an Dämpfung kann am Ende zählen.

Beim Antrieb ist der Aufbau sehr hochwertig: SRAM Red XPLR 13-fach, mit integriertem Leistungsmesser. Das ist komfortabel, um die Belastung über sieben Tage zu steuern, besonders wenn es gilt zu vermeiden, sich schon auf den ersten Etappen zu verheizen.

Aber es gibt ein echtes Thema.

Die Übersetzung: die Entscheidung, die ich sehr genau beobachten werde

Das Rad ist mit einem 44er Kettenblatt und einer 10-46-Kassette aufgebaut. In der Vendée passt mir diese Übersetzung sehr gut. Ich fahre vorne sogar oft noch etwas größer.

In Südafrika ist das eine andere Geschichte. Der angekündigte Höhenunterschied ist in Summe nicht riesig, aber er wird fast jeden Tag präsent sein. Und vor allem hat eine 8 % Steigung auf einem schönen Weg nichts mit 8 % in einem Geröllfeld gemein, wenn man Traktion halten, Schläge vermeiden und wieder antreten muss, ohne sich allzu lange ins Laktat zu setzen.

Ich hätte ein kleineres Kettenblatt montieren können. Das Problem: Die verfügbaren Blätter auf meiner Seite hätten mich den im Kurbelset integrierten Leistungsmesser gekostet. Bei einem Etappenrennen kann mir dieser Sensor helfen, klar zu bleiben, nicht zu früh zu explodieren und dosiert zu fahren, wenn die Euphorie des Starts dazu verleitet, zu hart zu fahren.

Also starte ich mit dem 44er. Eine etwas kühne Wahl – vielleicht zu kühn. Ich bin nicht der kadenzstärkste Fahrer, sobald es steiler wird. Das kann mich zwingen, den Rhythmus hochzuhalten. Es kann mich aber auch in manchen Schwierigkeiten stehenlassen. Antwort in ein paar Tagen.

Laufräder und Reifen: Priorität auf Volumen, nicht auf reine Effizienz

Bei den Laufrädern setze ich auf die Corima 50G. Ich hatte Anfang des Jahres bereits Gelegenheit, sie zu testen, und dieses Paar ist mir durch seine interessante Preispositionierung und die innere Maulweite von 27 mm aufgefallen.

Die Felgenhöhe von 50 mm ist exponiert. Auf steinigem Terrain, bei Tempo und mit Müdigkeit können Einschläge schnell zum eigentlichen Thema des Tages werden. Das Ziel ist also einfach: schnell fahren, wenn es möglich ist, aber das Material schonen, wenn das Terrain schlecht wird.

Der Berria-Rahmen ist auf 50 mm Reifenfreiheit begrenzt. Hinten habe ich einen Vittoria Terreno T50 in 50 mm montiert, gemessen auf den Corima bei 50 mm. Vorn bin ich eine engagiertere Wette eingegangen: ein Terreno T50 in 55 mm, gemessen bei 52 mm, weil ich dort etwas mehr Luft hatte. 

Das ist bewusst breit. Bei diesem Typ Rennen verzichte ich lieber auf etwas Nervosität und gewinne an Sicherheit, Komfort und Vertrauen in den technischen Passagen. Bevor man so eine Montage versucht, sollte man natürlich die reale Reifenfreiheit des Rahmens prüfen, denn ein Reifen kann je nach Felge anders ausfallen als angegeben. In beiden Fällen bleiben mir pro Seite 0,6 – 0,8 mm.

Ich hätte auch die Pro-Reihe bei Vittoria wählen können, die ich für performanter halte. Aber sie geht in dieser Familie nicht über 45 mm hinaus. Für sieben Tage habe ich Volumen, Haltbarkeit und Komfort bevorzugt. Das ist nicht zwingend die schnellste Wahl für einen Tag. Über eine Woche kann sie klüger sein.

Inserts: empfohlen, ausprobiert, verworfen

Der Veranstalter empfiehlt, mit Inserts zu starten. Die Idee ist schlüssig: die Felge besser schützen, mit dem Druck etwas weiter runtergehen können und vor allem die Chancen erhöhen, eine Etappe trotz großem Reifenschaden zu Ende zu fahren.

Ich wollte das so machen. Wirklich.

Ich habe mehr als eine Stunde damit verbracht, sie zu montieren – ohne den Reifen sauber schließen zu können. Das heißt nicht, dass es unmöglich ist. Es heißt nur, dass ich mich in meinem Fall, mit diesem Aufbau und der verfügbaren Zeit, nicht wohl damit gefühlt habe, mit einem System zu starten, das ich nicht perfekt beherrschte.

Die Überlegung ist recht simpel: Wenn ich schon in einer Garage, in Ruhe und mit Zeit, herumhantiere – wie wird das dann mitten in der südafrikanischen Wüste, müde, unter Zeitdruck, überall Sand und vielleicht noch 80 km vor mir?

Ich starte also ohne Inserts. Das wird einer der sensibelsten Punkte meines Setups sein. Ich muss saubere Linien fahren und bei den Drücken sehr wachsam sein.

Reparatur: keine völlige Selbstversorgung, aber kein dummes Risiko

Die Gravel Burn ist ein voll betreutes Etappenrennen. Es ist keine Durchquerung in kompletter Selbstversorgung. Die Profis werden wahrscheinlich mit dem absoluten Minimum starten – vor allem diejenigen, die um den Sieg fahren.

Ich plane lieber ein bisschen mehr ein. Nicht übertrieben, aber genug, um die klassischen Zwischenfälle zu managen: Platten, Plug, Ventil, kleines Problem am Antrieb, Nachziehen, schnelle Pannenhilfe. Der Veranstalter empfiehlt übrigens eine sehr vollständige Basis: Multitool mit Kettennieter, Pumpe, CO2, Dichtmilch, Kettenschloss, Tubeless-Kit, Reifenheber, Ventileinsatz, Schlauch, Ersatz-AXS-Akku, Schaltauge, Bremsbeläge, Kabelbinder, Klebeband.

Der Berria bietet keinen internen Stauraum. Und einen mit 50-mm-Reifen kompatiblen Schlauch zu verstauen, ist nicht trivial: Das braucht viel Volumen. Deshalb habe ich mich für eine Cyclite-Rahmentasche entschieden.

Ja, sie kann für eine Race-Konfiguration groß wirken. Aber sie bleibt ergonomisch, bietet nutzbares Volumen und erlaubt mir außerdem, eine leichte Regenjacke zu verstauen. Das Wetter kann dort schnell umschlagen, und eine leichte Jacke kann viel wertvoller werden als ein optisch noch schlankeres Rad.

Ursprünglich hatte ich eine kleine Cyclite-Oberrohrtasche vorgesehen. Problem: Die Gewindeeinsätze am Oberrohr sind an diesem Rahmen zu tief versenkt, und das Befestigungssystem hielt für engagiertes Gravel nicht ausreichend. Ich habe lieber verzichtet, als eine zusätzliche Stressquelle zu schaffen.

Werkzeug: Doppelungen, aber bewusst in Kauf genommen

Ich nutze einen PRO 3D-Sattel mit integriertem Werkzeughalter. Das Multitool sitzt sauber direkt hinter dem Sattel – ohne zusätzliche Tasche.

Oben auf dem Rahmen platziere ich außerdem ein DaySaver Werkzeug, das als Minipumpe dient und mehrere Funktionen integriert, unter anderem, um Plugs zu setzen. Ja, das überschneidet sich etwas mit dem Multitool unter dem Sattel. Aber zwischen einem siebentägigen Rennen auf ruppigem Terrain und einem einfachen Training zu Hause denke ich nicht gleich.

Der eigentliche Plan A im Fall einer Reifenpanne ist der Plug. Ganz ehrlich: Auf so hartem Terrain gebe ich einem Schlauch wenig Chancen, wenn er im Notfall in einen breiten Reifen montiert werden muss – mitsamt dem Risiko eines Quetschers.

Der Schlauch bleibt eine Notlösung. Nicht die, die ich gern nutzen würde.

Daysaver Werkzeuge
⭐️ 4/5
„Sehr clever für leichtes Gepäck, aber der Preis dämpft den Lustkauf“

Hydration und Verpflegung: die Taschen fast leer halten

Ich fahre gern mit so leichten Taschen wie möglich. Bei dieser Gravel Burn werde ich vor allem ein paar Gels im Trikot behalten, aber ich möchte meine Rückentaschen nicht in ein Campinglager verwandeln.

Auf den längsten Etappen starte ich mit einem Trinkrucksack. Das ist nicht immer meine Lieblingslösung, aber das Risiko, ohne Wasser dazustehen, ist zu groß. Und auf ruppigem Terrain kann man eine Trinkflasche sehr schnell verlieren. Wenn die Hitze steigt und sich die Etappe zieht, kann so ein Detail einen Tag ruinieren.

Auch hier ist das nicht das minimalistischste Setup. Es lässt mir eine Reserve. Beim Flaschenhalter habe ich mich für das Modell von Zéfal entschieden, das einen seitlichen Einstieg, sehr guten Halt und vor allem einen optimalen Verstellbereich ermöglicht. 

Schuhe: steif, aber kein Masochismus

Bei den Schuhen starte ich mit den Shimano S-Phyre. Für mich bleiben sie eine aktuelle Referenz: sehr steif, aber ausreichend komfortabel, um auf langen Tagen kein Problem zu werden.

Bei einem siebentägigen Rennen müssen Schuhe nicht nur die Kraft gut übertragen. Sie müssen sich auch vergessen lassen, Überhitzungen begrenzen, stabil bleiben, wenn man absteigen muss, und nicht schon ab dem dritten Tag zur Quelle des Ärgers werden.

Für mich ist das eine recht einfache Wahl: Ich starte lieber mit einem Paar, das ich kenne und dem ich vertraue.

Dieses Setup ist ein Rezept, keine Wahrheit

Wenn ich diesen Aufbau zusammenfassen müsste, würde ich sagen, er tendiert bei Reifen, Reparatur und Hydration zur Vorsicht, setzt aber bewusst auf eine Wette bei der Übersetzung und dem Verzicht auf Inserts.

Das Rad ist schnell. Die Reifen sind groß. Die Laufräder sind effizient, aber exponiert. Die Rahmentasche bricht die Race-Optik ein wenig, erfüllt aber einen echten Bedarf. Das 44er Kettenblatt kann mein bester Verbündeter auf schnellen Abschnitten werden – oder mein größter Feind in ruppigen Passagen.

Ich weiß noch nicht, ob es das richtige Rezept ist. Und genau das macht diesen Start interessant.

In etwa zehn Tagen werde ich sagen können, was gehalten hat, was mich gerettet hat, was ich ohne Zögern ändern würde und was fraglich schien, sich aber am Ende als richtig herausgestellt hat. Für den Moment bleibt nur eines zu tun: an den Start gehen.

🍪 We use cookies to support you during your visit (and to keep hunger knocks at bay too!)