Wer Ausdauer trainiert, merkt schnell, wie komplex das Thema Ernährung wird. In den sozialen Netzwerken kursieren zahllose, teils widersprüchliche Ratschläge. Dabei ist Ernährung einer der wichtigsten Hebel, um die Leistung zu verbessern. Kein Wunder also, dass immer mehr Radfahrerinnen und Radfahrer hier optimieren wollen.
In diesem Informationsdickicht kann man sich schnell verlieren. Mit genau diesem Gedanken habe ich Hexis ausprobiert, eine App für das Ernährungsprotokoll.
Ziel der App ist es, den täglichen Kalorienbedarf und die Verteilung der Makronährstoffe – Kohlenhydrate, Proteine, Fette – automatisch zu berechnen. Die Empfehlungen werden zudem an geplante oder absolvierte Einheiten angepasst.
Stärken:
- Echtzeit-Tracking des Ernährungsbedarfs
- Anpassung des Plans an geplante Trainings
- Nutzererfahrung, die mit Updates spürbar besser wird
Verbesserungswürdig
- Noch eingeschränkte Konnektivität
- Keine Integration des Menstruationszyklus
Hexis gibt zudem an, dass 95 % ihrer Nutzerinnen und Nutzer nach vier Wochen Nutzung ihre Leistung verbessert haben sollen. Doch wie sieht es nach mehreren Monaten im Test wirklich aus?
Übersichtliche Oberfläche, aber aufwendige Ersteinrichtung
Der erste Schritt besteht darin, sein Profil zu konfigurieren: Essenszeiten, Schlafrhythmus, Gewicht, Größe usw. Etwas schade finde ich, dass ich meine Schlafzeiten nicht je nach Wochentag anpassen kann: Am Wochenende stehe ich beispielsweise nicht zur selben Zeit auf wie an Werktagen.
Die Daten lassen sich sowohl auf der Website als auch in der App einsehen. Das Gesamtdesign ist aus meiner Sicht übersichtlich. Eine kurze Eingewöhnung ist nötig, danach findet man die nötigen Informationen schnell.
Die App gliedert sich in zwei Hauptbereiche: den Fuel Plan, der dem Tracking Ihrer Ernährung entspricht, und die Trends, mit denen sich die tatsächliche Zufuhr mit den von der App empfohlenen Werten vergleichen lässt, sowohl in Bezug auf Kalorien als auch auf Makronährstoffe.
Es gibt zudem Gewichtskurven, wenn Sie eine Impedanzwaage nutzen, sowie die Darstellung Ihres Kaloriendefizits oder -überschusses. Persönlich hat mich dieser Teil der App weniger interessiert.
Beim Preis setzt Hexis auf ein Abo: 16,99 € pro Monat oder 109,99 € pro Jahr.
Die Bedienung ist noch ausbaufähig
Nach der Einrichtung geht es an die Bedienung. In den ersten Tagen fiel mein Urteil zum Bedienkonzept der App sehr gemischt aus. Zum Glück erschien im August 2026 ein Update, das viele der Punkte, die ich als einschränkend empfand, deutlich verbessert.
Im Kern besteht die Nutzung von Hexis darin, alle Mahlzeiten und Trainings zu protokollieren, damit die App ihre Empfehlungen anpassen kann.
Beim Training: Die fehlende Strava-Anbindung erschwert den Start
Für Trainings kann die App unter anderem mit Garmin Connect und Intervals.icu verknüpft werden, um sie automatisch zu importieren. Wenn Sie Ihre Einheiten vorab in Intervals.icu planen, erscheinen sie am jeweiligen Tag, inklusive aktualisierter Ernährungsempfehlungen für Ihren Tag und die konkrete Einheit.
Eine direkte Anbindung an Strava gibt es jedoch noch nicht, dabei ist es nach wie vor eine der meistgenutzten Apps im Radsport.
Also habe ich zu Beginn Einheiten manuell angelegt, doch dafür ist die Bedienung klar nicht ausgelegt. Zum Glück gibt es eine Alternative: einen Intervals.icu-Account anlegen, diesen mit Strava und anschließend mit Hexis verbinden. Trainings, die auf Strava aufgezeichnet werden, werden dann automatisch in Hexis importiert.
Bei der Ernährung: eine recht zeitintensive erste Woche
Der Einstieg dauert anfangs etwas, da man seine Favoritenliste füllen sollte, um das spätere Hinzufügen von Mahlzeiten zu erleichtern, indem man die am häufigsten verzehrten Lebensmittel speichert: Pasta, Magerquark, Radverpflegung usw.
Gleiches gilt für die Mengen: Häufig muss die verzehrte Grammzahl angegeben werden. Um präzise zu sein, landet daher alles auf der Waage: Scheibe Toastbrot, Löffel Marmelade, Portion Pasta… Die erste Nutzungswoche kann also ziemlich aufwendig sein.
Lebensmittel können auf verschiedene Arten hinzugefügt werden.
Zunächst kann man direkt in den bereits hinterlegten Einträgen suchen. Ich habe persönlich jedoch selten gefunden, was ich suchte. Die Einträge sind zudem alle auf Englisch, was die Suche nach bestimmten Lebensmitteln schnell erschweren kann.
Die zweite Option ist das Scannen der Produkt-Barcodes. Diese Methode habe ich letztlich am häufigsten genutzt: Die meisten gesuchten Produkte habe ich gefunden, mitsamt bereits hinterlegten Nährwertangaben.
Man kann auch selbst ein Lebensmittel mit seinen Nährwerten hinzufügen. Schließlich bietet Hexis eine Option, mit der sich ein Rezept samt Zutaten beschreiben lässt, um direkt eine Schätzung der Nährwerte zu erhalten. Wenn Sie zum Beispiel ein Boeuf Bourguignon zubereiten, erspart das das einzelne Eintragen aller Zutaten.
Ist diese erste Phase vorbei und die regelmäßig verzehrten Lebensmittel sind als Favoriten gespeichert, wird die Nutzung deutlich einfacher. Sie können sogar angeben, dass Sie dasselbe wie am Vortag gegessen haben: Die Mahlzeit wird dann automatisch übernommen und die Mengen lassen sich bei Bedarf anpassen.
Diese Funktion gab es vor dem August-Update nicht und sie verändert die Bedienbarkeit der App spürbar. Sie zeigt auch, dass Hexis Schwachstellen zügig angeht und die Nutzererfahrung verbessert.
Nach mehreren Wochen: Verändert Hexis wirklich etwas?
Am Ende hat mich Hexis vor allem inhaltlich überzeugt. Die Stärke der App ist meiner Meinung nach die Schätzung des täglichen Makronährstoffbedarfs mit einer Aufteilung pro Mahlzeit.
Die Nutzung von Hexis hat mir geholfen, mehrere Ungleichgewichte in meiner eigenen Ernährung zu erkennen. Genau hier wird die App besonders interessant.
Insgesamt war mein Frühstück vor einer Trainingseinheit oft nicht kalorienreich genug und vor allem zu kohlenhydratarm. Außerdem neige ich dazu, über den Tag hinweg zu wenig Fett zuzuführen und im Gegenzug relativ viel Protein aufzunehmen.
Im Tagesverlauf steigen beim Vervollständigen einer Mahlzeit die Makronährstoff-Balken entsprechend der hinzugefügten Lebensmittel. So können Sie Ihr Essen an Ihre Ziele anpassen. Sinnvoll ist es, die App vor dem Essen zu konsultieren, um die Mahlzeit anzupassen, statt erst im Nachhinein festzustellen, dass man weit vom Ziel entfernt ist.
Dieses Vorgehen passt gut zu den Grundlagen der täglichen Ernährung und der Ernährung im Training: Es geht nicht nur darum, Kalorien zu zählen, sondern zu verstehen, was tatsächlich auf dem Teller liegt.
Was mir fehlt, ist eine automatische Empfehlung, um die Zufuhr zu vervollständigen. Mehrfach kam es vor, dass ich nach dem Mittagessen feststellte, dass mir noch 20 g Fett und 50 g Kohlenhydrate fehlten. Hier hätte ich es begrüßt, wenn Hexis mir direkt passende Lebensmittel zum Auffüllen vorgeschlagen hätte.
Es ist nicht immer einfach, sich den Zielwerten der drei Makronährstoffe zu nähern, ohne einen davon deutlich zu überschreiten.
Ein weiterer Stolperstein: wenn man nicht selbst kocht. Dann ist es schwierig, die verwendeten Mengen und Zutaten genau zu kennen. Zum Beispiel, wenn man im Restaurant isst.
Der eigentliche Mehrwert von Hexis: die eigenen Bedürfnisse verstehen
In der Anwendung halte ich einen zweistufigen Ansatz für sinnvoll.
In den ersten Wochen empfehle ich, nichts an der Ernährung zu ändern und einfach alles zu protokollieren, was man isst. Nach etwa zwei Wochen hat man so ein klareres Bild davon, was man tatsächlich konsumiert, verglichen mit den Empfehlungen der App.
Außerdem lassen sich die Hauptursachen der Abweichungen zwischen realer Zufuhr und den Vorgaben identifizieren.
Beispielsweise hat mir die App gezeigt, dass die Wahl der Kohlenhydratquelle die Makronährstoffverteilung einer Mahlzeit spürbar verändern kann. Bei gleicher Menge liefern Pasta deutlich mehr Protein als Reis, was den Gesamtzuschnitt der Mahlzeit beeinflussen kann, wenn man sich präzisen Zielwerten für Kohlenhydrate, Proteine und Fette annähern möchte.
Genau darin liegt einer der Vorteile von Hexis: Diese Unterschiede greifbar zu machen und zu ermöglichen, Mahlzeiten bedarfsgerecht anzupassen, statt nur in Kalorien zu denken.
Natürlich bleiben diese Zahlen Empfehlungen und sollten nicht zur Obsession werden. Ziel ist es vor allem, die eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen und Automatismen zu entwickeln, nicht in eine übermäßige Kontrolle der Ernährung zu verfallen.
Was mir ebenfalls fehlte, ist eine Wochenübersicht. Ich hätte gern an einem Ort Trainingsumfang und tatsächliche Ernährungszufuhr im Vergleich zu den Empfehlungen gesehen.
Ist diese Beobachtungsphase abgeschlossen, kann man die Ernährung schrittweise an die Empfehlungen von Hexis anpassen. Ich habe letztlich nicht viele der von mir konsumierten Lebensmittel geändert. Angepasst habe ich hingegen die Mengen und vor allem die Verteilung meiner Zufuhr über den Tag.
Ein weiterer Aspekt, den ich mir in der App gewünscht hätte, ist die Möglichkeit, den Menstruationszyklus zu integrieren und die Empfehlungen entsprechend anzupassen. Die Ernährungsbedürfnisse schwanken mit dem Zyklus und haben einen spürbaren Einfluss auf die Leistung. Wir haben diesem Thema übrigens einen eigenen Artikel gewidmet: Ernährung der Radsportlerin je nach Menstruationszyklus.
Schließlich hat mir die App geholfen, ein viel klareres Bild meines Energiebedarfs zu bekommen und gewisse Automatismen zu entwickeln: mein Frühstück je nach geplanter Einheit anzupassen, mein Abendessen gemäß meiner Tagesernährung und den noch offenen Makronährstoffen zu justieren usw.
Ein echter Leistungsgewinn lässt sich dagegen ohne spezifische Tests schwer messen. Während des gesamten Testzeitraums habe ich jedoch nie einen Energieeinbruch erlebt, der auf meine Ernährung zurückzuführen war.
Passen die Empfehlungen zu den Referenzwerken?
Ich habe die Empfehlungen der App außerdem mit einem Buch von Stacy Sims verglichen, das ich sehr schätze und das sich vor allem mit Sporternährung bei Frauen befasst.
Bei Radausfahrten von mehr als zwei Stunden waren die Kohlenhydratempfehlungen von Hexis im Großen und Ganzen mit denen von Stacy Sims stimmig. An Ruhetagen oder an Tagen, die ausschließlich dem Krafttraining gewidmet waren, empfahl Hexis hingegen zwischen 32 und 41 % mehr Kohlenhydrate als das Buch.
Bei Proteinen und Fetten habe ich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen festgestellt.
Der Vergleich zeigt vor allem, dass es nicht nur einen Weg gibt, den eigenen Nährstoffbedarf zu bestimmen. Auch wenn Hexis ein präzises und personalisiertes Tracking bietet, ist es wichtig, das eigene Empfinden, Aktivitätsniveau und die Ziele zu berücksichtigen und die Ernährung entsprechend anzupassen.
Für wen eignet sich Hexis?
Hexis richtet sich in erster Linie an Radfahrerinnen und Radfahrer, die ihre Ernährung besser verstehen und ihre Zufuhr an ihre Trainingsbelastung anpassen möchten. Besonders interessant ist die App für regelmäßige Sportler, die über allgemeine Empfehlungen hinausgehen und ein personalisiertes Tracking wünschen, vorausgesetzt, sie sind bereit, ihre Mahlzeiten täglich zu erfassen.
Weniger geeignet ist sie für Radfahrende, die eine vollständig automatisierte Lösung suchen oder keine Zeit in das Tracking ihrer Ernährung investieren möchten.
Hexis ist also keine Zauber-App. Es ist eher ein anspruchsvolles, mitunter etwas aufwendiges Werkzeug, das eine oft diffuse Frage sehr greifbar macht: Esse ich wirklich entsprechend dem, was ich von meinem Körper verlange?